Holunder – der magische Strauch von Frau Holle

Magische Pflanze?

Für mich ist der Holunder allein deshalb schon magisch, weil er, nachdem ich mir einen Holunderbusch gewünscht habe,  sich einfach in meinen Garten gepflanzt hat. Zwischen den hohen Tannen habe ich ihn entdeckt. Es erinnert mich an den märchenhaften Satz: „Als das Wünschen noch geholfen hatte…“ Das Plusquamperfekt irritiert mich jedoch und lässt mich aufbegehren. Warum geholfen hatte? Wünschen hilft! Da bin ich mir sicher.

Noch klein, aber mein. Der Holunderbusch unter der Tanne.
Noch klein, aber mein. Der Holunderbusch unter der Tanne.

Wie kein Wunder?

Jetzt wird der ein oder andere Pflanzenkenner anmerken, dass der Holunder eine anspruchslose Pflanze ist, beim Nachbarn auf der anderen Seite des Zauns auch einer steht und überhaupt aus der Eifler Vegetation nicht wegzudenken sei. Und daher kein Wunder, dass bei mir nun ebenso einer steht. Mag sein. Aber das will ich jetzt nicht hören.

wunderschöne Holunderblüte- ein Wunder!
wunderschöne Holunderblüte- ein Wunder!

Warum wünsche ich mir denn einen Holunder?

Außergewöhnlich ist er nicht gerade. Man findet ihn in ganz Europa an Waldrändern, denn er wächst auf den kargsten Böden und erfreut uns doch mit einem üppigen und raschen Wachstum. Anspruchslos ist in meinem Garten nicht verkehrt, aber so vernünftig dachte ich gar nicht. Eine Schönheit ist er in vielen Augen auch nicht. Doch ich mag dieses bizarre Aussehen, diese krummen Äste mit der morsch anmutenden Rinde. Im Winter könnte er glatt als ein knorriger Ent oder ein anderes hageres, greises Wesen durchgehen.

Experiment Elfenkönig

Faszinierend finde ich den Gedanken,  dass ich den Elfenkönig und sein Gefolge sehen könnte, wenn ich mich bei Sonnenuntergang in der Mittsommernacht unter meinen Holunderbaum setze. Mittsommer war am 24.Juni,  knapp vorbei, also muss dieses Experiment  bis nächstes Jahr warten.

Mythologie

In der Mythologie war der Holunderbusch der Lieblingsbaum der germanischen Göttin Holla, die uns in Grimms Märchen als Frau Holle vorgesetzt wird, die inzwischen als Hausgeist Holla ihr Dasein fristet. Wahrlich keine Karriere für eine Göttin. Deren Namen  den gleichen Ursprung wie die Worte ,,hold“ oder ,,Huld“ hat.

Die Göttin Holla wurde von den Germanen sowohl als Muttergöttin, Mutter Erde, strahlendes Himmelslicht und als weise Frau sehr verehrt. Sie war den Menschen freundlich gesinnt, half ihnen und heilte sie. In der Volksheilkunde kann man den Holunder gegen oder für alles verwenden. Hippokrates (460 v.Chr.) beschreibt die Pflanze schon als abführend und harntreibend.

In dem Artikel : Holla – große Muttergöttin Holla ist zu lesen:

„Holla wohnt als Hel, die Erdgöttin, im Inneren des Berges, in Höhlen. Brunnen, Teiche und Quellen führen zu ihrem Reich in die Unterwelt. An diesen heiligen Stätten wurde die Göttin verehrt und gefeiert. Wasser aus diesen Quellen beseitigte die Unfruchtbarkeit und später wurden die Babys hier „abgeholt“. Wer zu ihr in den Brunnen stieg, wurde gesund und glücklich.

Sagen

Einige Sagen berichten davon, wie Frau Holle in der Gestalt der Muhme Mählen die Seelen der Menschen prüft: Als alte und hilflose Frau bittet sie um Nahrung und Obdach. Diejenigen, die ihr helfen, werden reich belohnt. Wenn Menschen aber aus Geiz diese Hilfe ablehnen, werden sie bestraft.

Frau Holle gilt nach anderen Sagen als Bringerin der Kinder bzw. führt die Seelen der ungetauft gestorbenen Kinder mit sich.

Frau Holle gilt ferner als Schirmherrin der Spinnerinnen und Weber.

Weiterhin gilt Frau Holle als Herrscherin über die Schätze des Erdinnern.

Zur Zeit der Raunächte soll sie zur Erdoberfläche aufgestiegen sein, um nachzusehen, wer das Jahr über fleißig oder wer faul war.  (diese Liste entnommen aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Frau_Holle )

Märchen

In dem Märchen von den Grimms wird sie als Herrscherin über die Jahreszeiten gezeigt. Sie lässt es schneien, wenn sie die Kissen ausschüttelt. Goldmarie, die Fleißige, wird mit Gold überschüttet. Pechmarie, die Faule, eben mit Pech. Das Urmärchen bedeutete wohl eher, dass das zweite Mädchen noch nicht so weit wahr, um sich der Göttin anzuvertrauen und mit der Natur im Einklang zu leben. Die Brüder Grimm sind eben Kinder der Biedermannzeit und rasch mit dem moralischen Zeigefinger zur Hand. (liegt ja auch Nahe) Was sich wohl im Märchen widerspiegelt, ist der Göttin Liebe zu Brunnen und Quellen. Denn wollte ein Sterblicher zu ihr gelangen, muss er durch den Brunnen, so kam auch die Goldmarie in die Anderswelt der Frau Holle.

Wie verkam  die Göttin zu einem Hausgeist?

Durch das Christentum: Den Menschen war es nun verboten, unter Holunderbäumen zu beten. Die christliche Kirche schaffte es raffiniert, die alten Feiertage mit den neuen zu verbinden und so den alten durch den neuen Glauben zu ersetzen.  So wurde aus der weisen Lichtgöttin eine gefährliche Spukgestalt. Als böse Frau soll sie Menschen die Bäuche aufgeschnitten und Steine reingelegt haben. Das nenn ich aber mal Verleumdung. Der Ruf der guten Holla ist ruiniert. Dass sie als „Hola- die Waldfee“ auf manchem Holunderprickel prangt, macht die Sache für sie, meines Erachtens, nicht besser.

Es gibt einige Rezepte mit Holunder                                                         (diese Auswahl habe ich gefunden unter  Rezepte

Holunderlimonade

  • Den Saft von 2 Zitronen
  • mit einer halben Tasse Wasser und
  • einem gehäuften Eßlöffel Zucker verrühren.
  • Holunderblüten kopfüber dazugeben und über Nacht ziehen lassen.
  • Am nächsten Tag  durch ein Sieb gießen und
  • mit einer Flasche Mineralwasser auffüllen.

Holunderlikör

  • 1/4 Liter gekochter Holunderbeersaft
  • 1 Tasse frische Beeren
  •  2 Eßlöffel Zucker
  • 1 Liter Zwetschgenwasser.
  • Saft mit Zucker und Gewürzen verrühren
  • mit den Beeren in eine weithalsige Flasche füllen
  •  mit dem Zwetschgenwasser übergießen.
  • Verschlossen an einem warmen Ort 6 Wochen ziehen lassen.
  • Abseihen, in Flaschen füllen.

Holundersekt

  • 10 Dolden Holunderblüten
  • 3 Naturzitronen in Scheiben
  • ½ Kilo Zucker
  • ca. 5 Liter Wasser.

Alle Zutaten werden in ein großes Gefäß, einen Steintopf oder ähnliches gegeben, zugedeckt und 48 Stunden stehen gelassen. Wenn es leicht schäumt, wird abgeseiht und der Sekt in Flaschen gefüllt, am besten mit Bügelverschluß. Nach ca. 10 Tagen Reifungszeit dürfte der Sekt fertig sein.

weiterer Link: Heilkräuter

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