Personen, Völker

Elben

Feuerelben

Nachfahren des Halbgottes und Zauberschmieds Amruil, Urvater der Feuerelben und Begründer der Zauberschmiedekunst und der Wargerei

Amruila / Rayden/ Rayka

die ausgewählte Zauberschmiedin. Sie wird von ihrer Mutter, der letzten Feuerelbin, bei den Waldelben ausgesetzt, um ihr Leben zu retten. Amruila soll bei Martius, einem begabten Goldschmied, aufwachsen und lernen. Von ihren Zieheltern wird sie Rayden genannt, nach einem magischen Missgeschick, bald nur noch Rayka.

Die Feuerelbin ohne Namen, die schöne Fremde

Heldin, Hexe, Verführerin, Dämon, Gestaltwechsler?
eine schöne Fremde, durchaus wehrhaft

Raykas Mutter, sie versteht sich darauf, sich in einen Warg zu verwandeln. Ihr Fell ist blutrot. Zaubern und ein Kristall, an dem Zauber gebunden ist,  beherrscht sie.

Waldelben

leben in Sylvana, Reich der Legenden, versteckt in Dion, meist im Hauptdorf Sylva

Targoin – späterer Schmuckhändler, Unterhändler bei den Verhandlungen mit Dions Menschen, Freund von Rayka

Martius – Goldschmied und Ziehvater von Rayka (Rayden)

Auralia –  die Gefährtin Martius`, einst eine berühmte Sängerin, die den Tod ihrer Tochter beim Wargangriff mitansehen musste.

Moira –  verstorbene Tochter von Martius und Auralia

Oura – Seherin und Heilerin der Waldelben, Mutter von Syra

Syra –Tochter der Oura, zukünftige Ausgewählte von Targoin

Emdoras – zunächst Bogenmeister und Sprecher, später Ratsherr, Vater von Bruna.

Bruna – Tochter des Emdoras, beim ersten Wargangriff wurde sie Opfer einer Attacke. Ein Warg biss ihr ins Gesicht, das seitdem entstellt ist.

Nestori – Jäger, Schüler der Bogenmeisterin Bruna, Mitglied des Suchtrupps

Emiran und Ephisse – Brüder, gehören zum Wachdienst und zur Suchtruppe

Claire – eine Waldelbin, die beim Tag der Jugend singt.

Inda – Dienerin im Hause Oura

 

Lichtelben

Elben der Ersten Generation, versehen mit besonderen Eigenschaften durch die Göttin Lukia

Lavilija  – magische Lichtmeisterin

Marroval –große Liebe des jungen Morren, durch Folter und Experimente zur Urmutter der Vampirfrauen gemacht, Mutter von Baels Sohn Amruil

Westmark-Elben

Memon – Magie begabter Absolvent der Silbramagica, stammt aus Silbrarillia,  ein Elbenritter aus dem Gefolge Zeydons.

 

Leseprobe Schattenrausch

Die Zauberschmiedin Teil 2

Schattenrausch

 

Schattenrausch
Schattenrausch

Prolog

 Am Anfang aller Zeiten

Irgendwo im Norden des jungen Eisenlandes

 

Noch immer hatte der junge Alboze die Stimme seines Herrn im Ohr, die allzu gewaltig und fast grausam in seinem Geist tobte. So schnell er konnte, versuchte er, viele Meilen zwischen sich und die schwarze Vulkanfestung Dolmork zu bringen. Als Lichtgestalt schwebte er glitzernd durch die luftigen Sphären der noch jungen Welt. Seitdem er in den Diensten des mächtigen Feuergottes stand, hatte sein heiliger Seelenstoff sehr gelitten. Es grämte ihn, da DAS EINE es aus sich selbst gerissen hatte, um ihn und die einhundertdreivierzig anderen Albozen zu erschaffen. So viel von sich selbst hatte das Höchste gegeben, damit sie den Göttern zur Hand gingen. Rissig und befleckt kam ihm nun seine Seele vor und seinem Geist fehlte die Nahrung durch reines Licht. Mit Macht stieß seine immaterialisierte Gestalt durch die Wolken, die Feuchtigkeit kühlte sein Gemüt und ihre Zartheit streichelte seine Seele. Die Wolken erinnerten ihn an die Engelsflügel aus der ersten Dimension. Diese Engel waren weiß, rein und jung wie er, bevor er unbedingt in die Dienste Baels wollte. Der Feuergott war der mächtigste der Zwölf. Und der frische Lichtstreif gehörte zu den letzten Albozen, die von keinem der Götter erwählt worden waren. Was verfluchte er den Tag, als er Bael davon überzeugt hatte, in ihm einen fähigen Diener zu finden. Er beneidete die anderen übriggebliebenen Albozen, die ihr Schicksal angenommen hatten und nun frei waren, das zu tun, wozu DAS EINE sie geschaffen hatte. Sie halfen nach ihrem Gutdünken und machten Eisenland zu einem heiligen Ort. Unerkannt, in unterschiedlichen Gestalten sollten sie sogar durch Dimensionen reisen, die Welten mit ihrem reinen Geist und ihrer unerschütterlichen Liebe erleuchten.

Mitten in seinen Gedanken griffen plötzlich kochend heiße Flammenfinger nach ihm, denen er im letzten Moment durch einen Sinkflug ausweichen konnte. Er ließ seinen Seelenstoff, durch den er jede Gestalt annehmen konnte, dünn und breit werden. So dünn, dass er sich selbst kaum noch wahrnehmen konnte. Die Sonnenstrahlen schienen an den Wolken vorbei einfach durch ihn hindurch. Aber es half ihm nichts: Kreischend rüttelte die Stimme in seinem Geist. »Wo willst du hin, du Wurm?«

Würmer waren die neueste Erfindung der Göttin Baldera, um die Erde aufzurütteln. Doch die meisten Götter erachteten ihre Form nicht als würdig, auf dem Land DES EINEN zu kriechen. Bael dagegen fand sie großartig.

Der Alboze fühlte sich ertappt, da er einfach in die Welt hinaus und seinem Geist etwas Erholung von seinem quälenden Herrn verschaffen wollte. So druckste er herum und sein Seelenstoff bäumte sich wie ein Laubblatt der magischen Eischbebäume auf, die ein wilder Wind erfasst hatte. Der Alboze begann zu taumeln.

»Morren!«, kreischte die Stimme erneut und wirbelte den Geist der Lichtgestalt durcheinander, sodass er seinen Seelenstoff nicht mehr kontrollieren konnte und zu fallen begann. Wie ein gefrorener Stern rauschte er auf den Boden zu, um dort auf goldsandiger Erde aufzuschlagen. Auch ohne Körper spürte er jedes Körnchen.

Die quälende Stimme tobte weiter in seiner Seele. »Du unnützer Parasit. Was scharwenzelst du in der Gegend herum? Solltest du mir nicht zu Hand gehen, um aus dem Schattenschimmer Leuchten zu machen, die die Welt endlich erhellen?«

»Doch!«, sagte Morren kleinlaut.

»So ein Werk ist eines Gottes würdig, findest du nicht?«

Der Alboze stimmte ihm still zu und war sicher, dass Bael selbst in der Vulkanfestung jede Bewegung wahrnahm und jedes Ansinnen spürte. Nichts wünschte sich Morren mehr, als dass seine Gedanken frei wären. Er hörte das dröhnende Lachen seines Gebieters.

»Deine Freiheit hast du aufgegeben, als du dich in meine Dienste begabst!«

»Und ich schenkte sie Euch gern, Eure Genialität!« Ein leichtes Wohlwollen gewahrte er. Inzwischen hatte er gelernt, seinen Herrn mit Schmeicheleien einzuwickeln.

»So ist es recht, aber sage mir, warum du dich vor so ehrenvollen Aufgaben wie der Herstellung von Leuchten drückst. Das ist doch wahrlich einer Lichtgestalt würdig.«

»Sicher, mein Gebieter. Und es macht mich glücklich, Euch bei dieser glanzvollen Aufgabe zu unterstützen. Jedoch war mein unwürdiger Geist so erschöpft, dass ich es vergaß und mich nach Erholung sehnte.« Sein Seelenstoff duckte sich augenblicklich vor der Feuerwalze, die auf ihn niederging.

»Vergessen?«, schnaubte der Feuergott aufgebracht. »Erschöpft?«

Erleichtert bemerkte Morren, wie Bael die Hitze wieder von ihm abzog, bevor sein Seelenstoff noch ernstlich Schaden nehmen konnte. Dennoch spürte er die Brandblasen schmerzlich und der Gestank nach Verbranntem benebelte ihm die Sinne.

»Wie konnte DEM EINEN, dem großen Schöpfergott, das nur passieren? Dass ES aus SEINEM eigenen Seelenstoff solch bemitleidenswerte Gestalten schuf? Wir Götter entsprangen aus SEINEN eigenen, heiligen Gedanken, und dabei hätte ES es belassen sollen.«

Morren drückte sich fest und flach auf den Boden und flüsterte matt: »Gebieter, ich komme heim und arbeite mit Euch an den Leuchten.«

»Nein!«, grollte der Gott. »Diese Ehre hast du dir verscherzt. Zur Strafe wirst du draußen bleiben, weit von meinen Herdfeuern und die Ewige Flamme suchen. Und wage es nicht, ohne sie heimzukehren.«

Morren traute sich nicht zu erwähnen, dass der mächtige Gott selbst die Ewige Flamme überall gesucht und sie nirgends gefunden hatte. Wie sollte es dann ihm gelingen?

Aber Bael hatte das Unausgesprochene vernommen und kreischte in seinem Geist erneut unerträglich auf. »Du Nichtsnutz!« Als er sich beruhigte, sprach der Feuergott: »Eine Chance hast du. Meine Schwester Lukia hat ihre eigenen Geschöpfe geschaffen, sie nennt sie Lichtelben und behauptet, sie seien berührt von dem Licht der Sterne. Angegeben hat sie mit ihrer Kreation. Doch noch schlafen sie im Osten an einer Quelle, bis DAS EINE sie für würdig befindet und sie mit der Ewigen Flamme belebt. Eile zu der Quelle, und wenn DAS EINE dort mit der Flamme auftaucht, dann stiehl einen Funken von ihr!«

Ein Beben des Entsetzens durchlief Morren. Das konnte er nicht von ihm, einer Lichtgestalt, geschaffen aus dem Seelenstoff DES EINEN, verlangen.

Doch Bael donnerte ungerührt: »Das kann ich sehr wohl. Du stehst nun in meinen Diensten. Und wir werden neben den Leuchten DAS EINE erneut mit meiner Kreation des Lebens überraschen.«

Morren verbat sich mit aller Kraft den zweifelnden Gedanken an die Heiligkeit dieses Auftrages.

 

Nach einer ganzen Weile, als Morren sich in seinem Geiste allein wähnte, erhob sich die Lichtgestalt. Mit müden Sinnen betrachtete er den Schaden an seinem Seelenstoff. Löcher mit braunen Rändern waren hineingebrannt und Striemen aus schwarzer Asche bildeten chaotische Muster, die nichts mit der Vollkommenheit DES EINEN gemein hatten. Es würde eine Ewigkeit dauern, bis die Öffnungen zugewachsen und der Stoff wieder reinweiß werden würde. Ein Schütteln ging durch ihn. So konnte er sich nicht durch die neugeborene Welt bewegen, um seinen Auftrag auszuführen. Er sah sich um. Eisenland war so atemberaubend und voller perfekter Schönheit. Das dunkle Grün der Büsche, das mit dem hellen Grün des Grases harmonisch im Einklang stand, durchbrochenen von den bunten Blumen und dem Blau des Himmels. Die Gerüche waren betörend und Balsam für seinen angegriffenen Geist. Langsam kam er zu Kräften, und das Finstere in seiner Seele verflüchtigte sich. Die Welt war jung, unverdorben und prall gefüllt mit Kraft. Es war ein sonnendurchfluteter Frühlingsmorgen. Er sollte hinaus, die Schönheiten dieser neuen Welt bestaunen, die auf Eisenland entstanden war, und dabei nach dieser Quelle suchen.

Er schwebte in Richtung Osten, wo der ewige Frühling blühte. Die Götter hatten das Land mit sanften Hügeln, springenden Flüssen und grünen Wiesen ausgestattet, die in satten Farben leuchteten. Alles roch frisch und rein. Bienen brummten und sammelten Blütenstaub für den süßen Honig und Schmetterlinge und Libellen flatterten lustig um seine Gestalt. Tiefe Freude erfasste ihn. Diese Welt musste er umarmen, auf die Knie fallen und die Götter zu dieser Pracht beglückwünschen. Eine Lobeshymne auf DAS EINE in den höchsten Tönen anstimmen. So hüpfte er ausgelassen auf den Wegen, wurde eins mit den Strahlen, die er warm auf sich spürte und tief in sich eindringen ließ. Morrens eigenes Licht schien daraufhin wieder hell und bekam einen silbernen Schimmer. Wenn er sich so glücklich fühlte, da er seiner Bestimmung folgte, dann leuchtete er von innen sogar wie ein Brillant, und sein Licht brach in tausend wunderbaren Farben. Plötzlich hielt er inne. Mit Schrecken stellte er fest, dass er gar nicht auf etwas Außergewöhnliches geachtet hatte. Wie sollte sein Herr seine hohe Aufgabe erfüllen, wenn er so selbstvergessen durch die Weltgeschichte schlenderte? Beschämt sah er sich um und lauschte, ging einige Schritte, durchkämmte die Wiese, schnüffelte in der Luft. Es roch herrlich, war für Auge und Ohr ein Schmaus, doch nichts nahm er wahr, was ihn weiterbrachte. Keinen Hinweis auf die Ewige Flamme. Dann aber hörte er etwas. Zunächst leise, kaum wahrnehmbar wie der einzelne Flügelschlag eines Kolibris. Er hielt inne, sphärische Klänge erquickten sein Gehör. Sein heiliges Licht strahlte noch heller und wurde nahezu golden. Bald erkannte er eine glockenhelle Stimme, die ähnlich einer Nachtigall sang. Es musste eine Göttin sein, die auf diesen Gründen wandelte. Zu ihr eilen und ihr danken für die Schönheiten dieser Welt sollte er. Beseelt von diesem Gedanken folgte er dem Gesang. Und dann sah er sie. Er wusste nicht, was sie war. Eine Göttin war sie nicht, doch ein Tier konnte sie auch nicht sein. Sie besaß eine zierliche Gestalt, ein ebenmäßiges Antlitz mit großen, grünen Augen, die staunend in die Welt blickten. Rasch verbarg Morren seine lichte Erscheinung. Was war sie? Ob das wunderbare Wesen mit der zauberhaften Stimme eine dieser Lichtelben war, deren nahende Geburt sein Gebieter ersehnte? »Bitte, nicht!«, betete er inbrünstig. Denn dann war es zu spät, um der Belebung beizuwohnen und einen Funken der Flamme zu stehlen. Der Feuergott würde mehr als ungehalten sein. Erleichtert bemerkte er, dass Bael wohl zu beschäftigt war, um seine Gedanken zu vernehmen. Aber das konnte sich rasch ändern, wenn er nicht sofort alles Sorgenvolle und diese Furcht aus ihnen nähme. Solche Gefühle, das hatte er auf einem schmerzlichen Pfad als Baels Diener herausfinden müssen, verstärkten seine Gedanken so, dass es offenbar in Baels göttlichen Sinnen stürmisch läutete. So beobachtete er selbstvergessen dieses schöne Wesen, wie es auf nackten Füßen über die moosigen Wege lief. Ein weißes Kleid trug die vermeintliche Elbin aus einem Stoff, der bei jedem Schritt wie weiche Wolken um sie wogte. Sie hielt den glockenförmigen Rock mit beiden Händen hoch, so dass er einen Blick auf ihre zarten Fesseln erhaschen konnte. Ihr Anblick rührte ihn und erfüllte ihn mit heißem Überschwang. Jauchzen hätte er können. Anmutig wie ein Engel tanzte sie über die Blumenwiese, die bunten Schmetterlinge umschwärmten sie. Morren folgte ihr. Als das Geschöpf zu einem Bach kam, sprang es von einem Stein zum nächsten. Die Schöne flatterte nahezu über die leuchtenden Frühlingswiesen, drehte sich um sich selbst, juchzte und ließ sich in ihrem Taumel mit ausgestreckten Armen ins hohe Gras fallen. Morren vergaß seinen Auftrag; er wollte nur bei ihr sein. Fasziniert betrachtete er sie und wusste plötzlich, was er zu tun hatte.

Eifrig nahm er die Gestalt eines Elbs an. So, wie er sich das Gegenstück zu ihr vorstellte. Ihr Pendant wollte er sein. Dazu kleidete er sich in eine Hülle von schönem, angenehmem und freundlichem Aussehen. Das Leuchten des Lichtstreifs durchdrang ihn und ließ ihn in dem goldenen Schimmer eines frischgeborenen Elbs erstrahlen. Um sie nicht zu erschrecken und sich selbst an seine ihm fremde Stimme zu gewöhnen, pfiff er von Weitem das Lied, das er bei ihr gehört hatte. Die Elbin hielt kurz inne, lauschte und fiel summend in die Melodie ein. Als er auf die Frühlingswiese tanzte, schwebte sie mit offenen Armen auf ihn zu. Ihr weich geschwungener Mund und die blitzenden Augen lächelten freudig und schlugen ihn sofort in ihren Bann.

Sie fasste ihn bei den Händen. Ihre Berührung fuhr ihm durch die elbischen Glieder. Mit ausgestreckten Armen begannen sie, sich um die eigene Achse zu drehen, den Kopf in den Nacken gelegt, schauten sie juchzend in den Himmel und drehten sich immer schneller. Irgendwann verloren sie das Gleichgewicht, fielen sich in die Arme, sanken auf das weiche Blumenbeet.

Wie schön sie war! Wie lieblich und anmutig. DAS EINE musste die Elben nach dem Ebenbild der Göttinnen geschaffen haben. Plötzlich verschwand das süße Lächeln aus ihrem klaren Gesicht. Sie musterte ihn und fragte verwundert: »Wer bist du?«

»Ein Elb wie du.«

»Ich habe dich zuvor nie gesehen«, sagte sie staunend. »Und wir sind nur wenige, die vor drei Tagen das Licht der Welt an der Flammenden Quelle erblickt haben.«

»Ich bin erst heute geboren«, versuchte Morren hilflos zu erklären.

»Seltsam. Für die kurze Zeit, die du auf Eisenland wandelst, bist du weit gekommen.« Sie betrachtete ihn genau, jede Linie seines Gesichtes schien sie sich einprägen zu wollen.

»Wie viele wart ihr?«, fragte Baels Diener, der sich seines eigentlichen Auftrages schmerzlich bewusstwurde. Es würde seinen Herren ärgern, dass er den Augenblick der Geburt der ersten Geschöpfe verpasst hatte.

»Dreißig.«

»Und? Wie war es, belebt zu werden?«

»Das müsstest du doch selbst wissen.«

Morren lächelte. Ach, da hatte sie natürlich recht. Vielleicht sollte er zu erkennen geben, was er wirklich war. Aber er wollte den wunderbaren Augenblick nicht verderben. So sagte er vorsichtig: »Irgendwie kann ich mich nicht erinnern, plötzlich war ich ein Elb.«

Die schöne Elbin seufzte. »So ging es uns allen. Von einem Moment auf den anderen waren wir da. Wir erwachten gemeinsam an der Flammenden Quelle in einem Glitzern und konnten uns sofort verständigen. Wir sprachen die gleichen Worte und wussten, was sie bedeuteten.«

»Hast du dich nicht gewundert?«

Lächelnd nahm sie vorsichtig eine goldene Strähne, die ihm ins Gesicht gefallen war, und steckte sie zärtlich hinter die spitzen Ohren. Es ging ihm durch und durch.

»Die ganze Welt ist ein Wunder. Du bist ein Wunder.«

Rasch ergriff Morren ihre Hand, die noch an seiner Wange verharrte, und küsste sie liebevoll.

Sie lächelte glücklich. Und dann sahen sie sich stumm an, konnten sich nicht aneinander sattsehen und so verging die Zeit.

 

Nachdem Morren und die Elbin sich Ewigkeiten betrachtet hatten, die Wunder ihres Daseins genossen, die Sterne und die Wolken beobachtet hatten, hörte der Alboze den Ruf seines Gebieters. Er erschrak bis ins elbische Gebein und erstarrte. Doch immer wieder erklang die ungeduldige Stimme: »Morren, wo bist du? Wo steckst du so lange? Hast du etwas gefunden?« Und dann wieder: »Lass deinen Herrn nicht so lange warten!«

Der Lichtstreif fürchtete sich so, dass sein Elbenkörper zitterte.

Die Elbin fragte ihn: »Liebster, was ist mit dir?«

»Nichts! Ich habe nur etwas vergessen.«

Verstört blickte sie ihn aus den grünen Augen an, aus denen nur Sorge und Liebe sprachen. »Was könntest du vergessen haben in dieser neuen Welt?«

»Das kann ich dir nicht erklären. Ich muss heim.«

»Dann lass uns gemeinsam zu der Flammenden Quelle gehen.«

Morren überlegte fieberhaft. Was sollte er tun? Er verstrickte sich immer mehr. Es wurde Zeit, ihr die Wahrheit zu sagen. Als er ansetzte, sich zu offenbaren, brüllte es in ihm: »Du unerzogener, unverschämter Alboze. Was soll ich mit einer solchen Dienerschaft, mit der DAS EINE mich straft? Wenn du nicht in wenigen Augenblicken hier bist, werde ich dich aus meinen Diensten entlassen.«

Der Elb, in den sich Morren gekleidet hatte, wurde fahl im Gesicht. Hastig löste er sich von der Elbin, sprang auf und sagte harsch: »Weib, ich muss gehen. Frag nicht!«

Die Elbin schluckte und sprach: »Bist du meiner überdrüssig, dann sag es gleich!«

Morren taten ihre Worte in dem hellen Licht, das ihm DAS EINE geschenkt hatte, weh. Rasch wandte er sich zu ihr und lächelte sie so liebevoll an, dass sie seufzte. »Nein, meine Schöne, das ist nicht so. Sei dir meiner Liebe gewiss. Aber ich muss gehen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich dir alles erklären. Vertrau mir!«

Die Elbin sprang auf, umarmte ihn und ließ ihn alles vergessen. Sollte Bael ihn doch entlassen. Er wollte ohnehin nichts anderes, als hier bei der Elbin sein. Ihre Lippen trafen sich, verschmolzen zu einem glühenden Kuss. Erneut tobte es in ihm. »Wenn du nicht sofort zu mir kommst, werde ich dein Licht ausblasen.«

Diese Worte des donnernden Feuergottes löschten alle romantischen Gefühle aus. Aus dem Dienst entlassen zu werden, war das eine, doch ausgeblasen zu werden, zu vergehen … Nein! Er würde sie ja wiedersehen. Abrupt löste er sich von ihr, sah ihr in die Augen. »Mein Herr ruft mich. Ich muss nun wirklich gehen.«

»Dein Herr?«

»Bitte!« Verzweifelt wandte er sich ab.

»Werden wir uns wiedersehen?«, fragte sie traurig. Und auch in ihm pochte schon die Sehnsucht unerträglich.

Er drehte sich zu ihr um. »Ja, sag mir deinen Namen, damit ich dich rufen kann!«

Sie lächelte und ihre Augen liebkosten ihn. »Die Göttin Lukia schenkte mir ihr Licht und nannte mich Marroval!«

 

Rasch verwandelte sich Morren in den Lichtstreif und eilte binnen eines Augenaufschlags zu den Gefilden seines Herrn.

Sein inneres Licht leuchtete heftig und das Glück musste Bael nur so entgegenstrahlen, als der Diener vor den mächtigsten aller Götter trat.

»Wo warst du?«, grollte der Feuergott und Flammen loderten auf den Albozen zu, so dass er sich erschrocken ein Stück zurückzog. Tief verneigte er sich.

»Mein Gebieter, verzeiht. Ich habe die Zeit vergessen. In den Ostlanden ist es so schön, der Frühling herrscht da besonders betörend. Lauter atemberaubende Wunder sind euch Göttern dort gelungen.«

»Frühling? So!«, zischte Bael. »Was findest du am Frühling so berauschend?«

»Angenehmes Klima. Es ist warm, jedoch nicht zu warm. Alles ist grün und bunt, blüht und duftet. Ein Göttertraum.«

»Der dich von deiner Aufgabe ablenkt«, stellte der Feuergott ungehalten fest. »Aber nicht mehr lange. Ich werde den unerträglichen Frühling verbessern. Licht und Wärme … Damit wird Schluss sein. Höchstens mal ein warmer Regen für die Vegetation.«

»Aber mein Herr. Das Wetter ist doch fertig und es ist wunderbar so.«

»Das lass meine Sorge sein. Hast du Hinweise auf die Ewige Flamme gefunden?«

Morren schluckte. Unsicher flackerte sein Licht. »Nein, mein Gebieter.«

»Hm, und das soll ich dir glauben? Raus mit der Sprache, was hast du entdeckt?«

Der junge Alboze starrte auf den Boden. »Die Elben sind erwacht.«

»Was?!«, donnerte der Gott. »Warum sagst du das nicht gleich? Wann? Wo?«

»An der Flammenden Quelle. Vor drei Tagen.« Doch Morren war nicht mehr sicher, schließlich hatte er Zeitalter mit Marroval verbracht und dennoch war es nur einen Augenblick gewesen. Ach, wie gern wäre er jetzt bei ihr. Sehnsuchtsvoll hob er den Kopf.

 

Der Feuergott blickte direkt in Morrens Ewige Flamme.

Im Knistern DES EINEN Feuers erblickte Bael eine liebliche Gestalt, durchdrungen von einem Licht, das ihm seltsam bekannt vorkam. Grüne Augen sahen ihn voller Liebe an. Liebe! Er wusste, dass dieser Blick nicht ihm galt, sondern seinem treulosen Albozen. Doch er wünschte sich, dass diese Kreatur ihn so ansah. Und was ein Gott wünschte, erfüllte sich. Tief blickte er auf die anmutige Elbin mit dem sinnlichen Körper einer Göttin. Sie erinnerte ihn an seine Schwester Lukia, die Götterkönigin. Seine Rivalin, denn DAS EINE zog die Göttin des Lichts ihm eindeutig vor, obwohl er doch wesentlich mächtiger war. DAS EINE war manchmal schwach, wo es unerbittliche Stärke erforderte. Wut bemächtigte sich des Feuergottes. Dann hörte er im knisternden Seelenfeuer seines Dieners, wie das Geschöpf sagte: »Die Göttin Lukia schenkte mir ihr Licht und nannte mich Marroval.«

Lukia war natürlich dabei gewesen, als ihre Kreation belebt wurde, während er zu der Geburt der Elben nicht eingeladen war. Und nicht nur das. Sie hatte dieses Geschöpf eindeutig nach ihrem Äußeren gebildet und ihr etwas von ihrem Licht geschenkt. Seine Wut entfachte einen tobenden Zorn. Marroval! Den Göttern, Lukia und sogar DEM EINEN würde er zeigen, was er aus diesem Geschöpf machen würde. Sie würden sie nicht mehr erkennen. Er grinste höhnisch. Auch sein treuloser Alboze nicht.

 

Morren verstand nicht, warum sein Gebieter so zornig wurde. Er beobachte voller Schrecken und Faszination, wie sein Gesicht von zornrot zu einem hellen Purpur wechselte und ihn ein hämisches Grinsen traf, das sein inneres Licht flackern und fast erlöschen ließ. Um so erstaunter war der Lichtstreif, als ihn der Feuergott gnädig entließ und ihm sogar freigab. Vielleicht war die Information über die Elbengeburt für ihn so erfreulich, dass es ihn milde oder sogar dankbar stimmte. Bald dachte er nicht mehr an seinen Gebieter, sondern freute sich auf das Wiedersehen mit seiner Marroval.

Geradewegs sauste er zu den Ostlanden bis an die Stelle, an der er Marroval verlassen hatte. Dort verwandelte er sich in den Elb und dachte fest an sie. Sie war wie ein Traumbild, so schön, anmutig, fast göttlich. Er bebte, als er ihren Namen rief. Doch nichts geschah. Erst nachdem er dreimal »Marroval« gerufen hatte, hörte er ihre unnachahmliche Stimme, die ihn an eine trällernde Nachtigall erinnerte. »Morren, hier bin ich.«

Und dann sah er, wie ihr liebliches Wesen aus dem silbernen Bodennebel trat. Er wollte auf sie zulaufen, sie in den Arm nehmen, sie küssen. Aber er konnte sich nicht bewegen. Verzweifelt versuchte er, seine Beine zu heben. Vergeblich – sie schienen wie angewurzelt. Und ganz gleich, wie stark er an ihnen auch zerrte, sie blieben an der Erde haften. Er wollte rufen: Hier bin ich, Liebste. Jedoch verließ kein Laut seine Kehle, noch nicht einmal ein Krächzen. Seine Arme, mit denen er winken und auf sich aufmerksam machen wollte, blieben bleiern hängen. Entsetzt beobachtete er, wie Marroval sich nach ihm umsah, und hoffte schon, sie würde nach ihm suchen. Doch dann lächelte sie und ihre Augen blitzten vor Freude. Ihre Finger spielten mit einer ihrer goldenen Haarsträhnen, als eine Gestalt, die genauso aussah wie Morrens Elb, auf sie zutrat, sie in den Arm nahm und sie leidenschaftlich küsste.

 

Morren kämpfte mit aller Macht gegen seine Bewegungslosigkeit an und musste zusehen, wie sein Abbild seine Marroval berührte. Wie die Finger streichelten und liebkosten, so wie er es gern getan hätte. Was ging da vor? Die Elbin blickte mit verzückten Augen geradewegs zu ihm, als der Elb ihren Hals mit Küssen übersäte. Doch sie schaute durch ihn hindurch, als ob er unsichtbar wäre. Voller Verzweiflung und Eifersucht blickte er auf diesen Elb. Wenn er ihn in die Finger bekäme … Doch welcher Elb könnte solch mächtigen Zauber weben? Die Wucht der Erkenntnis quälte seinen Geist. Wer anderes als sein Gebieter konnte ihm das antun? Und er selbst hatte den Feuergott geradewegs zu Marroval geführt. Wie töricht und naiv er gewesen war. Er musste etwas tun, konnte doch nicht dabei zusehen, wie Bael ihm das Liebste nahm.

Die Lichtelbin sah weiter in seine Richtung, doch ihre Augen glänzten selig. Alle Bemühungen, sie mit seinen Gedanken zu erreichen, schlugen fehl. Ihre Aufmerksamkeit richtete sich völlig auf den Gott, der sie mit Zärtlichkeiten überhäufte. Wenn er sie nicht erreichen konnte, musste er versuchen, diesen baelschen Zauber zu brechen, indem er seine Urgestalt annahm. Und er sollte sich beeilen, denn diese Kopie von ihm streifte ihr mit geschickten Händen bereits das Kleid ab. Neben ihrer wundervollen Seele besaß sie einen frühlingsschönen Körper. Ihre Haut war so weiß wie die Blüten der Orchideen aus den göttlichen Gärten. Ihre Rundungen – sanft geschwungen, der Leib wirkte kraftvoll und zugleich zerbrechlich. Die kleine Kuhle zwischen Hals und Schlüsselbein – wie gern würde er sie dort berühren, diese feine Linie von der Kehle über ihren Busen erkunden. Das taten inzwischen die kundigen Elbenhände, die seine sein sollten. Leise seufzte sie bei jeder seiner Berührungen. Morren zitterte, verzweifelt zerrte er an den Fesseln seines Seins. Dieses Gefängnis, in das Bael ihn gesperrt hatte, beengte seine Seele. Wo ist meine Urgestalt? Unglücklich versuchte er, den Kern seines Wesens zu finden, doch der Feuergott hatte ihn gut versteckt. Wollüstiges Stöhnen durchbrach seinen Bemühungen. Nein, Bael durfte sie nicht haben! Er würde sie verderben. Tief in seinem hellen Geist wusste Morren das. Alles musste er daransetzen, sie zu warnen. Verzweifelt formte er seine Gedanken zu einem Nein, befeuerte es mit seiner Ewigen Flamme. Doch die Laute zerbarsten an den Wänden seines Gefängnisses, die nun näher auf ihn zukamen. Erneut versuchte er, sich zu erinnern, wie er sich wandeln konnte. Aber der Seelenstoff erschien ihm schleimig, ließ sich nicht fassen und entglitt ihm. Verzagt blickte er zu ihr, auf ihren vollkommenen Körper, der nun von dem Gott in Flammen der Leidenschaft versetzt wurde. Mit aller Macht befahl er seinem Seelenstoff, die Urgestalt anzunehmen. Sein Licht, das ihm DAS EINE geschenkt hatte, strahlte kurz auf und blendete seinen Geist. Die finsteren Wände seines Gefängnisses reflektierten das Licht und warfen es geballt zurück. Und ihm blieb nur der Schmerz. Weitere Bemühungen misslangen und sein Licht verrauchte in dem böswilligen Schatten, den Bael über ihn geworfen hatte. Entkräftet und geistig leer wurde er nun Zeuge, wie Bael statt seiner in sie eindrang und in dem Moment, in dem er sich in sie verströmte und sie ekstatisch zu zucken begann, wieder zum Feuergott wurde. Marroval verbrannte fast in dem übernatürlichen, lodernden, versengenden Feuer. Zunächst schrie sie aus Lust, dann aus unermesslichem Schrecken und zum Schluss aus Todesangst und unsäglichem Schmerz. Und Morren in seinen Fesseln schrie mit ihr, und sein Leib zuckte im selben Takt der Agonie. Doch der Feuergott ließ sie am Leben, befreite den Lichtstreif von seinen Fesseln und befahl ihm, den verbrannten Leib der einst so vollkommenen Schönen nach Dolmork zu bringen.

Unter Tränen fragte Morren seinen Gebieter: »Ist das eines Gottes würdig? Musste das sein? Dass Ihr mir das Liebste nehmt? Sie verstümmelt?«

»Du warst ungehorsam, guter Morren. Die Strafe hast du dir selbst zuzuschreiben.«

»Aber sie konnte doch nichts für meinen Ungehorsam. Sie war unschuldig.«

Bael grinste. »Ja, das war sie. Und viel zu schade für einen kleinen Albozen wie dich. Ich habe Großes mit ihr vor. Du wirst sehen.«

 

Morren schwebte durch die endlosen Gänge der Vulkanfestung, die aus Pechstein gewonnenen glatten Böden waren mit blutroten Teppichen bespannt. Wenn man nicht so genau hinsah, schienen sie hübsch weiß gemustert. Doch der Alboze wusste, dass die Musterung aus lauter winzigen Totenköpfen bestand. Jedes natürliche Wesen, das die Göttin Baldera geformt und DAS EINE mit der Ewigen Flamme beseelt hatte, ließ der Feuergott sich beschaffen. Nachdem er es getötet hatte, studierte er seine Anatomie, um dann die fleischlosen Köpfe als Muster in den Teppich zu weben oder daraus Statuen zu bilden, die in den Ecken standen. Morren seufzte, als er an Marroval dachte. Noch atmete die Lichtelbin, verbrannt und verstümmelt, mehr tot als lebendig. Jeden Tag ging er mehrmals zu ihr. In dem unteren Trakt, wo die heißen Lavaströme durch die Wände flossen und viel Wärme in die Räume gaben, hatte er ihr ein Gemach eingerichtet. Mit aller Hingabe hatte er versucht, es gemütlich und schön herzurichten. Ein schwieriges Unterfangen, da die finstere Festung im krassen Gegensatz zu den Ostlanden stand, die nun nach der Geburt der Elben Ostelbenlande genannt wurden. Morrens Euphorie, die er bei seiner Entzündung zum Lichtstreif empfunden, erhielt in den Diensten Baels einen gehörigen Dämpfer. Inzwischen stand er vor der hohen Eischbetür, die ihn von Marrovals Gemach trennte. Rasch kleidete er sich in das Fleisch des Elben, den seine Liebste kannte. Sanft strich er über das glattpolierte Holz, das die Farbe von Wolken bei Sonnenschein hatte. Es bildete einen starken Kontrast zu dem tiefschwarzen Pechstein, aus dem die Festung erbaut war. Er spürte die pochende Magie unter seinen elbischen Fingern. Eischbe waren magische Bäume aus den Gärten des Gelobten Landes. Bael hatte sie gestohlen und aus diesen machtvollen, gesegneten Bäumen gewöhnliche Gegenstände zimmern lassen. Welch ein Frevel. Leise summte Morren eine Melodie aus dem Hohen Lied, als er vorsichtig die Tür öffnete. Die heilige Weise rührte sein Licht, das er durch die Schändung seiner Liebsten schon erloschen geglaubt hatte. Es umgab ihn als heller Schein und beleuchtete das abgedunkelte Zimmer. Aus dem Bett kam ein Stöhnen, das ihn veranlasste, in raschen Schritten zu ihr zu eilen. »Marroval«, sang er immer noch in der Melodie des Hohen Liedes, welches die Götter unter der Dirigentschaft DES EINEN verwendet hatten, um Eisenland aus Luft, Wasser, Erde und Eisen zu bilden. Eine Symphonie des Schaffens, um Berge, Wälder und Seen zu gebären. Ein wunderbares Heim für die Wesen, die DAS EINE im Sinne hatte. Eine machtvolle Melodie, voller Kraft und Schönheit, die sich nur im Orchester aller Götter wirklich entfalten konnte. Die Grundmelodie aus dem Mund eines einfachen Albozen war nur ein schwacher Ersatz, dennoch hoffte er auf die heilende Wirkung. Um sie zu verstärken, befeuerte er die Musik mit seinem frisch entflammten Licht. Doch Marroval, die in einem bösen Traum gefangen schien, jammerte. Unglücklich trat er auf ihre Bettstatt zu, wagte sie aber nicht zu berühren, da ihr Fleisch offen, verbrannt und wund war. Ihr ehemals goldenes Haar war bis auf die Kopfhaut abgebrannt, ihr Gesicht entstellt. Dort, wo ihre Nase gewesen war, klaffte ein gewaltiges Loch und gab den Blick frei auf die fleischlosen Wangenknochen. Doch ihre Lider waren bis auf die versengten Wimpern unversehrt und schützten ihre Augen. Er sehnte sich danach, in das tiefe Grün zu blicken und gleichzeitig fürchtete er sich fast genauso davor, wie ausgeblasen zu werden.

»Liebste«, sang er und versuchte, trotz Gram und Schuldgefühlen, die Melodie harmonisch klingen zu lassen. »Was kann ich nur für dich tun?«

Plötzlich schlug sie so plötzlich die Lider auf, dass Morren erschrocken zurückwich. Das Grün ihrer Regenbogenhaut flammte giftig auf, rot geädert und mit toter Pupille starrten die Augen zu ihm empor. Seine Elbengestalt spiegelte sich in ihnen. Zuerst schien sie ihn nicht zu erkennen, ihr Blick wirkte verständnislos und als ob sie gar nicht im Diesseits wäre. Doch dann tropfte offenbar die Erkenntnis in ihr Bewusstsein.

»Marroval, Liebste. Erkennst du mich?«, fragte er und lächelte.

Heftig schüttelte sie den Kopf und schrie schrill und anhaltend, bis ihr geschundener Körper von trockenen Schluchzern geschüttelt wurde. Schon bald verließen sie ihre gerade gewonnenen Kräfte und sie fiel in einen unruhigen Schlaf.

Sie glaubt, dass ich ihr Schänder bin, erkannte Morren. Rasch verwandelte er sich zurück in den Lichtstreif in der Hoffnung, dass diese Gestalt ihr mehr Trost als Schrecken bereitete. Sanft legte er seinen Seelenstoff um sie, sang den Refrain des Hohen Liedes und streichelte sie mit seinem Licht. Inbrünstig betete er zu DEM EINEN: »Bitte heile sie, bitte rette sie, bitte mache sie wieder zu deinem vollkommenen Geschöpf. Sie ist unschuldig.« Und tatsächlich erfasste das Licht den Körper der Elbin. Morren erkannte mit seinem Seelenstoff, wie sich die fehlenden Knochen bildeten, die Haut heilte und einen lilapudrigen Ton erhielt. Selbst das Haar wuchs ihr bis auf die Schultern, doch es bekam nicht mehr den warmen Goldton, sondern hatte die Farbe kalter Asche. Zunächst rekelte sie sich sogar wohlig in seinem Licht. Dann schlug sie erneut die Augen auf, das Giftgrün war nicht gewichen, und zischte: »Schenk mir den Tod.«

»Liebste, du bist geheilt. Warum willst du sterben?«

Rasch richtete sie sich auf und stieß seinen Seelenstoff angewidert weg. »Mein Körper mag geheilt sein. Das Lied war wunderschön und mächtig, dein Licht erinnert mich an das der Göttin Lukia und dennoch ist es nicht mehr als eine Karikatur, die das Sternenlicht entweiht und das göttliche Werk beschmutzt.«

Beschämt löschte er das Licht. »Es tut mir leid, doch ich konnte nichts dafür. Der Gebieter, ein Gott …«

»Schweig!«, schrie sie. »Du hast mich betrogen, du bist kein Elb und dann hast du mich ihm ausgeliefert.«

»Ich weiß!«, flüsterte er. »Ich wünschte, ich könnte es wiedergutmachen!«

Sie lachte trocken auf. »Wenn du mir helfen willst …«

»Ich würde alles für dich tun.«

»Dann töte mich und befreie mich von diesem elendigen Dasein.«

Morren verstand ihr Ansinnen nicht und begann erneut, den Refrain des Hohen Liedes zu singen. Innehaltend entspannte sie sich, lauschte und wiegte sich im heiligen Takt. Der Alboze sang: »Ich werde dich retten, befreien. Ich bringe dich zu Lukia, das soll dein Heil sein.«

Sie seufzte und fiel mit der hellen Stimme der Nachtigall ein: »Bring mich zu Lukia, in ihr Licht. Sonst will ich nicht – leben, sein. Bring mich zu Lukia, mach mich heil oder gib mir einen Tod, denn meine Seele ist zerrissen, verbrannt, zerstört.«

Erleichtert einen Ausweg zu haben und eine Möglichkeit, Marroval zu retten, schwebte er davon, um einen Fluchtplan auszuarbeiten.

 

 

Feuerzorn

WIRD EINE JUNGE FEUERELBIN DIE WELT VOR DER DUNKLEN MACHT RETTEN?

Ab September 2016 als Ebook und Print erhältlich

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Eisenland wurde längst von den Göttern verlassen, die Welt verkommt zu einem düsteren Ort.

Orks und Warge in ungeheurer Zahl treiben ihr Unwesen. Dunkle Mächte und der Weltenwanderer Viator sind auf der Suche nach den Silbren, verschollenen Götterjuwelen, die das Schicksal der Welt besiegeln können.

In einem Waldelbendorf wächst ein Findelkind auf. Rayka flucht wie ein Zwerg, zähmt einen wilden Warg und kann ihre Magie nicht kontrollieren. Doch sie besitzt eine besondere Gabe im Umgang mit Edelsteinen, denn als Einzige begreift sie deren Seele. Gelingt es der Elbin, die Silbren aufzuspüren? Und für welche Seite der Macht wird Rayka sich entscheiden?

Der Auftakt zu einem Elbenepos Die Zauberschmiedin

Das E-Book ab sofort bei Amazon erhältlich:

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Als Print ab Mitte September!

Schattenrausch

Das Abenteuer um die Zauberschmiedin Rayka geht weiter

Ab Dezember wird es ihn geben – den zweiten Teil der Reihe Die Zauberschmiedin – als E-Book und Print bei Amazon

Schattenrausch
Schattenrausch

 

Die Feuerelbin Rayka ist die Auserwählte, davon ist der Weltenwanderer Viator überzeugt. Mit ihrer Hilfe sollen die Silbren gefunden und dem üblen Treiben des Dunklen Herrschers Einhalt geboten werden. Doch die Zauberschmiedin hat im Zorn ihre Rivalin Syra getötet. Kann eine Mörderin die Auserwählte sein?

Der Suchtrupp jagt sie unerbittlich und muss sich während der Verfolgung zahlreichen Widrigkeiten stellen. Während der Schmuckhändler Targoin in einen Zweikampf mit einer Zentaurenkriegerin verwickelt wird, begegnet die Bogenmeisterin Bruna ihren eigenen Dämonen.

Die Lichtelbin Lavilija ist überzeugt, dass Rayka nach Silbrarillia muss, um mit dem Weltenwanderer die Götterjuwelen zu suchen. Doch als die Marroval und der Feuergrimmige Lavilija gefangen nehmen und sie zur Vulkanburg des Dunklen Herrschers verschleppen, will Rayka die Lichtelbin befreien. Währenddessen plant der Dunkle Herrscher ein grausames Ritual, um Sonne und Mond zu morden.

Es entbrennt ein wahres Feuerwerk der Zauberei.

 

Mini – Historie

E-Book

Raykas Geschichte bewegt mich seit Jahren und der Kosmos Apeiron mit der Welt Eisenland fast ein Jahrzehnt. Und dann nach einer intensiven Phase des Schreibens und Überarbeitens war es soweit, am 01.09.2016 (an meinem Namenstag) kam das E-Book heraus.

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Print

Um den Menschen, die lieber ein gedrucktes Buch in der Hand halten, gerecht zu werden, wollte ich es auch unbedingt als Print herausbringen. Dafür lernte ich dann eigens Layout und Satz. Am 10.9.2016 hielt ich meinen Debütroman gedruckt in den Händen. Das war wirklich ein erhebenes Gefühl. Mit dem optischen Ergebnis war ich ebenso zufrieden.

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Bisschen Bestseller

Ende September konnte ich mich das erste Mal über einen Platz 1 in der Kategorie „Dunkle Fantasie“ bei Amazon freuen.

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Teil 2

Und jetzt schreibe ich voller Tatendrang an dem zweiten Teil, den ich gerne Ende November veröffentlichen möchte.

 

3. Kapitel

3. Das Wolfsbaukind

Der alte Wolfsbau schien verlassen zu sein, denn er war von Gestrüpp und Dornen zugewuchert. Mit Dolchen schnitten sie sich den Weg frei, dennoch mussten sie suchen, bis sie einen Eingang fanden.

Als sie die Höhle betraten, umfing sie Schwärze. Kein Spalt ließ Licht hindurch. Emdoras stieß sich schimpfend den Kopf. »Ich sehe nichts. Und wie niedrig es hier ist. Hier passt doch kein Elb durch.«

»Es ist ja auch eine Wolfshöhle. Komm!« Martius übernahm die Führung.

Gebückt tasteten sie sich vorwärts. Der Goldschmied spürte leichte Magie auf seiner Haut prickeln. Ihn erfasste sofort eine Erregung und er dachte an die glänzenden grauen Augen der fremden Elbin, die ihn in ihren Bann geschlagen hatten. Mit Mühe unterdrückte er ein Keuchen. Er wünschte sich, sie wäre anstelle des Bogenmeisters bei ihm. Und kaum hatte sich der Wunsch an die Oberfläche seines Bewusstseins gekämpft, sah er sie auch schon vor sich. Nackt. Ihren weißen, vollkommenen Körper mit den kleinen, festen Brüsten und rotem Flaum an der Scham. Überwältigt riss er sich in seiner Illusion die Kleider vom Leib, warf sie achtlos auf den Boden und stürzte sich auf die Elbin. Seine Lippen suchten gierig ihren Mund. Er erschauderte vor Lust, verdrängte gekonnt die Erkenntnis, dass er in einem Tagtraum gefangen war. Die Finsternis schützte ihn davor, sich einzugestehen, dass er bekleidet neben Emdoras stand und sich nicht nackt auf dem feuchten Boden mit der aufregenden Elbin wälzte. Hitze jagte durch seinen Körper.

»Hast du keinen deiner Leuchtsteine dabei?«, fragte Emdoras. »In der Dunkelheit weiterzugehen, halte ich nicht für sinnvoll.«

Martius schüttelte den Kopf.

»Du musst schon was sagen«, forderte ihn der Bogenmeister auf.

Martius berührte in diesem Moment sanft die Brüste der Schönheit und stöhnte vor Lust auf.

»Ist dir nicht gut? Bist du verletzt? Ich bringe dich nach Hause. Das war eine dumme Idee, nach einer Hinterlassenschaft zu suchen. Hier war seit Jahren niemand mehr.«

»Doch, ich muss!«, ächzte Martius. Für einen Moment riss er sich von der Fremden los, die in seinem Kopf herumspukte. »In meiner Werkstatt sind Leuchtsteine. Kannst du sie holen? Du wärst in einer guten Viertelstunde zurück. Ich muss mich hinsetzen und etwas ausruhen.«

»Hier? Nein, ich bring dich besser raus.« Emdoras griff nach Martius Arm, dessen Körper so empfindlich war, dass er vor Erregung keuchte. Der Bogenmeister deutete es offenbar fehl und meinte: »Du musst große Schmerzen haben. Setz dich und ruh dich aus. Ich bin gleich zurück mit einem deiner Leuchtsteine.« Er tätschelte vorsichtig Martius’ Schulter. Dann war der Goldschmied endlich allein. Zuerst nahm er das Patschen der suchenden Hände auf den Höhlenwänden wahr, die sich immer weiter entfernten, bis ein erleichtertes Seufzen zu hören war. Emdoras war draußen. Bald verklang das Rascheln der forteilenden Schritte. Nachdem sich Martius sicher war, dass Emdoras einige Zeit nicht zurückkehren würde, ließ er es zu, dass Zähne ihn spielerisch ins Ohrläppchen zwickten und eine lockende Stimme an seinem Ohr flüsterte: »Er ist fort. Mach weiter. Du hast eben so wunderbar meine Brüste gestreichelt!«

Zu gern folgte der Waldelb und wunderte sich, wie samtig und fest ihre Haut sich anfühlte. Furchtbar laut stöhnte sie, sodass er befürchtete, Emdoras könne sie hören und zurückkommen. Sanft legte er seine Hand auf ihre Lippen. Sie erwischte einen seiner Finger, biss hinein, steckte ihn sich in den Mund und begann, daran zu saugen, sodass heiße Wellen durch seinen Körper jagten und der steil aufgerichtete Penis an seinen Bauch schlug. Sehnsucht quälte ihn, so gern würde er sich in sie versenken. Er beobachtete, wie sie genüsslich die Augen schloss, dabei war es finster in der Höhle. Wie konnte ein Tagtraum so real sein? Doch er war in ihm gefangen, konnte sich nicht daraus befreien. Er wollte es auch gar nicht, sondern gierte nach diesem verlockenden Körper. Berauscht vor Lust bedeckte er ihren Hals mit leichten Küssen, arbeitete sich tiefer, bis er ihre rechte Brustwarze fand, an der er heftig saugte. Sie bebte unter seinen streichelnden Händen und seinem fordernden Mund. Dann ließ er von ihr ab, umrundete sie rasch und begab sich hinter sie. Sie drückte ihm ihren runden Po entgegen, tastete mit der rechten Hand nach seinem harten Penis und führte ihn in ihre Weiblichkeit ein, während die linke seine Schenkel umschlang. Er fuhr ihr leicht mit einem Finger über den Bauch und arbeitete sich so zu ihren Brüsten, um die harten Brustwarzen zu liebkosen. Er genoss ihr Stöhnen, das zu lustvollen Schreien erwuchs. Doch als er sich an ihren Brüsten festkrallen wollte, fasste er plötzlich ins Leere. Im nächsten Moment fand er sich auf den Boden liegend wieder. Sein Samen ergoss sich unnütz in seine Beinkleider. Er heulte auf vor Enttäuschung. Wo war sie hin? Martius fühlte sich betrogen. Warum tat sie ihm das an? Langsam kam er zu Atem und dachte voller Scham darüber nach, wie er darauf kam, sich zu paaren wie die Warge? Das war ja widerlich.

Nie zuvor war er so erregt gewesen und hatte die Kontrolle über sich verloren. Nie zuvor. Außer vielleicht im Kampfesrausch war er wie im Wahn gewesen. Sie musste eine Hexe sein, die ihn verrückt machte und verdorben hatte. Er musste raus hier, bevor die Magie seinen Geist noch vollends verwirrte und er ernsthaft Schaden nahm. Dann hörte er plötzlich ein Wimmern, tiefer in der Höhle. Mein Kind!, durchfuhr es ihn. Aber es war ihr Kind, er hatte nur in Gedanken Unzucht mit ihr getrieben. Bei aller Magie, daraus konnte kein Elb entstehen. Ich will es nicht!, wollte er schreien und ließ es doch. Als er Richtung Höhlenausgang stolperte, hörte er Emdoras rufen und der Lichtschein des Glühsteins war am Höhleneingang auszumachen. Rasch richtete Martius seine Kleidung, nahm Haltung an und wartete, dass der Bogenmeister zu ihm kam.

»Na, alles in Ordnung?«, fragte Emdoras besorgt, als er in das blasse Gesicht des Goldschmieds sah, das der Glühstein beleuchtete.

Dieser nickte nur benommen. Der Liebesrausch war verflogen und es blieb bei aller Intensität nur Verwirrung und Scham. Dann erklang erneut ein Wimmern.

»Das hört sich an wie ein Kind!«, bemerkte Emdoras. »Ist das die Hinterlassenschaft?«

Martius zuckte mit den Achseln. »Wir sollten nachschauen.«

Der Glühstein erhellte den schmalen Korridor zwischen den schroffen Felswänden dürftig, aber es reichte aus, ihm zu folgen. Nach ungefähr fünfzig Schritten verbreiterte sich der Gang zu einem größeren Hohlraum.

Der zerklüftete Felsen hatte Nischen gebildet. Sie waren teilweise armbreit und hoch, glatt ausgespült durch das Kalkwasser, das seit Jahrtausenden tropfte und die Ausdauer besaß, Stein auszuhöhlen und blank zu schleifen. Martius wunderte sich. Es hätte hier kühl und feucht sein müssen, doch es lag eine Wärme in dieser Kaverne, die angenehm war. Kein Modergeruch war zu spüren. Es duftete nach Sommer, frischem Gras und Blüten. Von dem Goldschmied fiel jede Anspannung, Selbstzweifel und Trauer ab. Er fühlte sich leicht, nahezu beschwingt. Die beiden Elben lächelten sich zu. Plötzlich meinte Martius, eine süße kleine Melodie zu vernehmen. Sie erklang aus einer der oberen Nischen. Der Goldschmied stieß den Bogenmeister an und reckte sich, um in den Winkel blicken zu können. Emdoras hielt den Glühstein in die Höhe, der den Hohlraum nun mit goldenem Licht ausleuchtete. Dort lag auf einem mit Decken gestaltenden Lager ein Bündel, ganz still.

»Das Kind«, entfuhr es Martius.

Die beiden Elben gingen bedächtig zu dem in ein graues Wolltuch eingeschlagenen Etwas, das ein klein wenig mehr als einen halben Schritt maß. Martius hockte sich hin, ergriff mit drei Fingern einen Tuchzipfel und zog ihn zur Seite. Da lugten zwei glänzende graue Augen in einem zerknitterten Gesichtchen hervor, die ihn groß anblickten. Siedeheiß durchfuhr es ihm. Es war, als ob die Fremde ihn ansähe.

»Ein Säugling!«, entschlüpfte es ihm nicht gerade geistreich.

»Ist es ein Waldelb?«, fragte Emdoras.

Martius zog die Decke, die wie eine Kapuze das Köpfchen umschloss, weiter herunter. Kleine spitz zulaufende Ohren lugten hervor.

»Auf jeden Fall ein Elb«, bestätigte der Goldschmied. Er zeigte auf den roten Flaum, der wie blutige Flocken auf dem Schädel spross. »Aber kein Waldelb. Unser Volk hatte nie rote Haare.«

»Also von der blutrothaarigen Elbin? Warum legte sie es in die Höhle?«

Martius zuckte mit den Achseln. »Vielleicht ein Bastard?«

»Möglich. Solange es kein Wechselbalg ist«, überlegte Emdoras.

Der Goldschmied wich zurück. »Dann sollten wir es hier liegen lassen und es seinem Schicksal ausliefern!« Er sprang auf die Füße.

»Martius. Es ist doch noch so klein und bedarf unserer Hilfe.«

»Aber es wird größer und vielleicht gefährlich.« Seine Stimme hörte sich kratzig an. »Seine Mutter ist eine Hexe!«, stieß er hervor.

»Sie rettete unser Leben, mein guter Martius.«

»Aber warum? Überleg doch mal. Sie benutzt uns. Sie will, dass wir ihr Dämonenbalg aufziehen. Nur deshalb half sie uns gegen die Warge.« Er wollte sich zum Gehen umwenden, als er im Tuch etwas glitzern sah. Von der Neugierde eines Goldschmieds getrieben, bückte er sich, um es aus der Decke zu ziehen. Dabei tat er so, als ob er doch nach dem Kind sähe.

Emdoras redete unbeirrt auf Martius ein: »Sei nicht so verbohrt. Sie hat uns gerettet. Punkt. Vielleicht, weil sie uns würdig empfindet, ihr Kind aufzuziehen. Auch gut. Das sind wir wohl. Und ich als Sprecher unseres Dorfes möchte Milde und Barmherzigkeit walten lassen. Ich werde bestimmt nicht zulassen, dass ein hilfloses Geschöpf in einer Wolfshöhle verdurstet oder erfriert.«

Martius hatte inzwischen das glitzernde Etwas vorsichtig mit seinen Fingerspitzen berührt. Sofort durchfuhr es ihn warm und ein Feuer wurde in ihm entfacht. Das Kind sah ihn unverwandt mit diesen riesigen Augen an. Er beugte sich über das Balg, um die Sicht auf das Glitzerding zu versperren. Aber Emdoras war viel zu sehr damit beschäftigt, ihn zu überzeugen.

»Sieh, wie friedlich es ist. Es ist doch noch so klein.«

»Hm!«, brummte der Goldschmied völlig versunken in den Kristall, der einen besonderen Schliff besaß und wie der rote Anhänger der Elbin in tausend Facetten von Klarheit leuchtete. Auch er war ein Meisterwerk. Es schien, als sei ein warmes Licht in ihm gefangen. So wunderbar. Diesen Stein und diesen Zauber wollte er besitzen und sein Geheimnis ergründen. Die Rothaarige musste eine wahre Meisterin sein oder eine Diebin. Rasch schob er den Stein zurück in die Decke, tief genug, damit er nicht herausfallen konnte.

Emdoras fuhr in seinem Redeschwall fort: »Wir werden aus dem Kind einen guten Elben machen. Wenn etwas Böses in ihm stecken sollte, wird unsere Erziehung dafür sorgen, dass es aus ihm herausgetrieben wird. Waldelben sollten dazu in der Lage sein.«

»Hmmm!«, machte Martius nur und hob den Säugling an. »Dann sollten wir es schnell mitnehmen, damit es versorgt wird und nicht doch noch Schaden nimmt.«

Emdoras sah den Goldschmied erstaunt an. »Das ist aber ein rascher Sinneswandel.«

»Du hast überzeugende Worte gesprochen.«

Der Bogenmeister klopfte ihm vorsichtig die Schulter. »Vielleicht ist dieses Kind für dich und Auralia bestimmt. Um euch über den Verlust Moiras hinwegzutrösten.«

»Das glaube ich kaum«, entgegnete Martius. »Aber vielleicht lenkt es Auralia ab, sich um das Balg zu kümmern. Du hast recht, wir können das Kind unserer Retterin schlecht verhungern lassen.«

Emdoras strahlte. »Du wirst es auf den Weg der Tugend führen. Dafür bist du genau der Richtige.«

 

Martius brachte das Findelkind nach Hause. Er bewohnte mit Auralia ein schmuckes Leichthaus am Rande des Dorfes. Das runde Häuschen mit einem Durchmesser von zehn Schritt stand auf einem ovalen Grundblatt von ungefähr dreißig Schritt Länge und fünfzehn Schritt Breite. Das Gebäude mit den tropfenförmigen Fenstern befand sich in unmittelbarer Nähe des Stammes und war von einem verwahrlosten Grundstück umgeben. Verwelkte und verwilderte Pflanzen wucherten über Zäune, die schon lange auf einen Anstrich warteten. Zu Moiras Lebzeiten war es ein bunter Garten gewesen, indem es blühte und summte, da Auralia Blumen liebte. Als er mit dem Bündel im Arm durch die mit goldenen Ornamenten verzierte Tür trat, fand er seine Gefährtin am Tisch sitzend vor. Sie hatte den Kopf schwer auf die Hände gestützt und starrte die polierte Tischplatte an. Auch als er sie ansprach, rührte sie sich nicht. Auralia schien durch den Angriff der Warge und die vielen Toten geschockt zu sein. Wusste sie denn überhaupt, dass er lebte? Er trat ganz nah an sie heran und ihm fiel auf, dass kein Geruch an ihr haftete. Noch nicht einmal der betörende Duft der Parkanlage oder des Waldes. Martius umfasste das Elbenkind mit der rechten Hand, während er seine Linke auf Auralias Schulter legte. »Ich bin da!«, flüsterte er. Doch sie blieb in ihrer Starre. »Auralia!«, rief er nun lauter. »Ich lebe und habe uns etwas mitgebracht!« Er befreite das Kind von den Decken und setzte es vor Auralia auf den Tisch ab. Doch die hob noch nicht einmal den Kopf. Das kleine Elbenmädchen, das mit großen Augen von dem Elb zur Elbin sah, strampelte mit den Beinchen, dabei verrutschte das Tuch und offenbarte den Kristall, der golden und warm aufleuchtete. Das Kind juchzte und auch Martius spürte eine wohlige Welle, die ihn beseelte. Ein Zittern ging durch Auralias graziösen Körper. Noch mit geschlossenen Lidern drehte sie den Kopf zu Seite, lauschte dem Glucksen des Kindes und lächelte zart. Fasziniert betrachtete Martius, wie der goldene Schein die klassischen Züge seiner Gefährtin milde, schöner und begehrenswert werden ließ. Mit Verwunderung stellte er fest, dass ihn ihr Gesicht an das Antlitz der Fremden erinnerte. Angezogen von dem Anblick beugte er sich zu ihr hinunter und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe, den die Elbin mit einem Seufzer quittierte. Nun nahm er den Geruch von Jasmin und wilden Rosen wahr. Das musste der Stein sein. Er blickte zu dem Kristall. Kleine Händchen patschten nach ihm. Rasch langte er nach dem Edelstein, um dem Elbenkind zuvor zu kommen und steckte ihn in sein Wams. Das winzige Mädchen verzog das Gesicht und begann zu weinen. Auralia hob ihren Kopf und blickte zu dem schluchzenden Kind, das ihr die Ärmchen entgegenstreckte.

»Och, mein Kleines«, flüsterte die Elbin, nahm das Bündel auf den Arm und wiegte den Säugling.

Martius beobachte, dass Auralias Gesicht den mütterlichen Zug bekam, den er so vermisst hatte.

Versonnen sagte sie: »Sie hat Haare wie Feuer. Wo hast du sie her?«

»Ich habe sie in einem Wolfsbau gefunden.«

Erbost sprach Auralia: »Welch herzloses Wesen hat sie dort ausgesetzt?«

Ob der harschen Worte weinte das Elbenmädchen noch lauter.

»Och oh je!« Die Elbin herzte das Kind. »Ein Findling also«, sagte sie lächelnd.

»Sie braucht einen Namen«, befand Martius.

»Einen Namen, ja!« Auralia hielt das strampelnde Mädchen auf Armeslänge von sich. »In der alten Sprache der Altvorderen heißt der Findling ›Den‹ und das Feuer ›Ray‹. Sie soll Rayden heißen«, befand sie.

»Rayden!« Der Goldschmied schmeckte den Klang des Namens nach. »Wie schön!«

»Hallo Rayden!«, sang Auralia mit ihrer klaren Stimme. Das Elbenmädchen verharrte in der Bewegung und hörte auf zu weinen. Dann lächelte sie ihre Zieheltern an.

»Rayden scheint ihr zu gefallen«, meinte Martius.

»Kleine Rayden. Sei ohne Sorgen. Bei uns ist ein Bett frei. Wir werden uns um dich kümmern.« Dann wandte die Elbin sich an Martius. »Das Kind braucht etwas zu trinken. Bitte besorg Ziegenmilch.«

Leseprobe 2. Kapitel

2. Die Fremde mit den roten Haaren

»Sie kommen direkt auf uns zu«, meldete Martius.

Emdoras, der die Befehlsgewalt über die Wächtergruppe besaß, befahl leise: »Bögen fertigmachen!«

Fließend wie in einer Bewegung zogen die acht Elben Pfeile aus den Köchern, nockten sie in die Sehne und hielten die Bögen zum Spannen leicht schräg.

»Anlegen!«

Die Elben ankerten zeitgleich, indem sie den Pfeilschaft zum Kinn zogen. Martius, mit der Schusshand am Wangenknochen, starrte in die Büsche, die dicht wie in einem Urwald waren. Es war gespenstisch still, nicht einmal die Vögel zwitscherten. Das Belfern der Warge, das vor Kurzem zu vernehmen gewesen war, blieb auch aus. Der blonde Waldelb konnte sie nicht erkennen. Hatte er sich getäuscht? Er hätte schwören können, sie noch vor wenigen Momenten erspäht zu haben. So hielt er den Bogen eisern wie die acht Kameraden gespannt und wartete auf den Schießbefehl des Bogenmeisters Emdoras. Ein sanftes Rascheln, das einen weiten Halbkreis um die Elbengruppe zog und daraufhin in ihrem Rücken verschwand. Ein einzelner Warg? Martius wurde es heiß. Unwahrscheinlich, die feige Brut trat in Rudeln auf. Doch was immer da geraschelt hatte, er konnte es nicht mehr ausmachen. Martius schielte zu Emdoras, aber der Bogenmeister schien es nicht bemerkt zu haben oder ihm keine Bedeutung beizumessen. Vielleicht war es nur ein Reh, das das Weite suchte, beruhigte er sich. Dennoch blieb er aufmerksam und konzentrierte sich auf die Umgebung, um den Stinkepelzen eins drauf zu brennen. Der Waldelb, der sonst herrliche Schmuckstücke und Glühsteine schuf, gierte danach, sie zu töten. Besonders seit jener Nacht, als ein Rudel, gebildet aus versprengten Halbstarken, sein Dorf Sylva angegriffen hatte. Dürr wie Holzleitern hatte der Hunger die Raubtiere in das Waldelbengebiet Sylvana getrieben, das im Herzen von Dion lag. Für Nichteingeweihte war es nahezu unmöglich, zu den Waldelben zu gelangen. Sylvana war wie eine Legende. Man hatte von dem Gebiet gehört, aber es war in keiner Landkarte verzeichnet und niemand kannte einen Bewohner des geheimnisvollen Landes. Der Silberwald hatte geschützte Grenzen, auf denen ein Bann lag. Doch darauf verließen sich die Waldelben nicht allein. Bogenschützen bewachten von hohen Felsen den Bannring oder von Mammutbäumen das Land jenseits des Silberflusses, der den Westteil einkesselte.

Und dennoch war es den Wargen nun zum zweiten Mal gelungen, nach Sylva vorzudringen. Damals zerfleischten die Bestien seine Tochter Moira, die er genauso glühend vermisste, wie er die Mörder hasste. Einen Warg zu erlegen, war nicht einfach. Man musste sein böses Herz exakt treffen und hoffen, dass die magischen Tiere nicht imstande waren, es durch einen schwarzen Zauber zu schützen. Einen solchen verdorbenen Zauber vermochten die Pfeile, die Martius in seinen ruhelosen Nächten entwickelt hatten, zu brechen. Doch sie waren aufwendig herzustellen und das Material schwer zu beschaffen. So trug der Goldschmied allein drei dieser Pfeile bei sich. Ungeduldig wartete Martius, dass sie sich endlich blicken ließen. Sein Puls rauschte in den Ohren. Die Begierde, die Bestien zu Strecke zu bringen, ertrug er kaum. Er nagte an seiner Unterlippe. Wohlmöglich hatten sie die Wächtergruppe gewittert und einen anderen Weg genommen. Sie fürchteten offenbar die Rache der Elben. Die Unruhe ließ seine Hände zittern. In diesem nervösen Zustand würde er keinen Mammutbaumstamm treffen, geschweige das Herz eines Warges. Er atmete lautlos ein und aus und versuchte so, seinen Puls herunterzubringen, um jederzeit einen gezielten Schuss abgeben zu können.

Plötzlich spürte er es. Das Prickeln auf seiner Haut. Magie. Er stöhnte, das konnte er nicht verhindern. Sofort handelte er sich einen bösen Blick des Bogenmeisters ein. Er beneidete Emdoras, dessen Tochter Bruna den Wargangriff überlebt hatte. Sie war zwar seitdem entstellt, da ein Warg ihr ins Gesicht gebissen hatte, doch sie lebte. Der Bogenmeister sah es dennoch als Unglück, denn nur eine vollkommene Elbin konnte erwählt werden, als Schwangere das Haus eines Ahnen zu werden und damit der Stolz der Familie. Erneut hörte Martius ein Rascheln in seinem Rücken. Gegen den Befehl drehte er sich um und sah im Gebüsch zwei rote Augen aufglühen. Sofort suchte er den Blick von Emdoras und gab ihm mit einem Nicken nach hinten zu verstehen, dass der Feind dort auf sie lauerte. Der Bogenmeister schloss kurz die Lider als Zeichen, dass er verstanden hatte. Martius tippte seine Nebenmänner an und signalisierte, dass sie sich umdrehen sollten, um die anderen Elben davon in Kenntnis zu setzen. Lautlos wandten sich bis auf zwei Bogenschützen alle um und wollten erneut ihre Pfeile ausrichten, als die Warge aus der Stille brachen. Fünf ponygroße, zottelige Warge mit handlangen Fängen sprangen zwischen die überrumpelten Elben. Martius’ Nebenmänner wurden sogleich umgerissen. Riesige Mäuler verbissen sich augenblicklich in ihren Kehlen und rissen sie mit einem Ruck heraus. Auch diese Exemplare schienen ausgehungert zu sein, denn gierig soffen sie das Blut und zerrten, ohne sich um die Umgebung zu kümmern, Fleischstücke aus den Elbenkörpern und schlangen sie in einem herunter. Martius blendete die Schreie und das Knurren aus. Er spannte nach, ankerte kurz den Wargpfeil, das Ziel über dem Pfeil genau ins Auge gefasst, hielt den Atem an, zielte und traf mitten ins Herz des linken Wargs. Das Tier war so überrascht, dass es starb, ohne einen Laut von sich zu geben. Der Warg, der sich rechts an einem Wächter festgefressen hatte, hob den Kopf. Seine glühend roten Augen fixierten Martius, der unbeirrt den nächsten Pfeil aus dem Köcher zog. Der Boden bebte unter ihm, denn drei weitere Warge stürzten aus dem Gebüsch und griffen eine Dreiergruppe Elben an. Martius’ linker Fuß kam ins Rutschen. Die Erde war inzwischen aufgewühlt und durch das vergossene Blut glitschig. Mit einem Sprung nach hinten verhinderte er den Sturz. Der Warg, der ihn genau beobachtete, grollte und kam einen weiteren Schritt auf ihn zu. Er musste ihn erlegen, bevor die Bestie ihre Chance nutzte. Martius besann sich, blendete den Kampfeslärm aus und wich beim Anlegen und Spannen einen Schritt zurück. Da spürte er schon den Stamm einer imposanten Eiche in seinem Rücken. Der Warg grollte erneut, dabei kniff er die Augen zusammen und reckte die klobige Schnauze in die Höhe. Dem Goldschmied kam es so vor, als ob dieser Warg es auf ihn abgesehen hätte. Die Bestie schien es zu genießen, den Angriff hinauszuzögern. Es lief ein erwartungsvolles Zittern durch den mächtigen Körper, die Muskeln spannten sich unter dem grauen, struppigen Fell. Martius erkannte, dass sich der Warg zum Sprung bereit machte. Die Hand, mit der er den Pfeil in der Sehne zog, berührte sein Kinn. Tröstlich. Noch einmal ausatmen, befahl er sich. Nicht mehr atmen. Das Ziel fest im Auge. Die Zeit schien still zu stehen, der Lärm um ihn herum war unwirklich gedämpft. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie die Warge mörderisch um sich schnappten. Die Elben, die keinen Platz mehr zum Spannen der Bögen hatten, fassten die Pfeile wie Dolche und stachen nach den Monstern. Für Moira, dachte Martius. Und als der Warg sich endlich zum gewaltigen Sprung abstieß, ließ er den Pfeil fahren, beobachtete fasziniert den Flug und landete selbst unsanft auf der Erde, als der fliegende Warg ihn umriss. Er stöhnte laut, das Gewicht des gewaltigen Tieres presste die Luft aus seinen Lungen. Den Bogen mit beiden Händen breit gefasst, versuchte er mit aller Kraft, die Schnauze des Wargs, die wild um sich schnappte, von seinem Gesicht fernzuhalten. Dennoch nahm er wahr, wie seine Muskeln anschwollen und zitterten. Ein Schweißtropfen perlte über seine Stirn. Ein sicheres Zeichen, dass er die Kraft verlor, die sonst dafür sorgte, dass Elben niemals schwitzten. Der Warg strampelte, fand mit den Pranken auf Martius’ Bauch Halt und drückte sich ab. Der Waldelb ächzte, als die Klauen in seinen Magen fuhren. Doch ahnte er die nun folgende Bewegung, riss seinen Kopf zur Seite und spürte, wie die Kiefer ins Leere schlugen. Der Warg streckte die vier Beine von sich und kam wie ein nasser Sack zu liegen. Martius horchte erstarrt, doch das Biest gab keinen Laut von sich. Verzweifelt schnappte der Elb nach Luft. Das Vieh war schwer und stank nach Verwesung, aber es bewegte sich nicht mehr. Bleiern hing es auf dem Bogen, den Martius nach wie vor ächzend mit ausgestreckten Armen hielt. Seine Handgelenke brannten vor Schmerz. Langsam drehte er den Kopf und starrte auf die lange Schnauze, aus der die blaue Zunge heraushing. Die Augen des Monsters waren dunkel und gebrochen. Nun war der Goldschmied sicher, dass der Warg tot war. Derweil nahm er die Kampfgeräusche wieder wahr, sie schienen sich verlagert zu haben und nicht mehr in seiner unmittelbaren Nähe zu sein. Wo steckten bloß seine Kampfgefährten? Eben noch waren sie dicht um ihn gewesen. Der Geruch des Sterbens hing in der Luft. Verzweifelt versuchte er, den Kopf zu heben. An dem klobigen Schädel des toten Wargs konnte er nicht vorbeisehen. Von hier unten sah er nur grün, braun und das Schwarzrot der Blutlachen. Seine Arme waren inzwischen lahm. Ein wenig ließ er sie sinken, um den Kadaver mit Schwung zur Seite zu rollen. Doch er bewegte sich nicht. Martius versuchte es ächzend erneut, aber das Monster narrte ihn noch im Tod und hielt ihn gefangen, unter sich begraben. Tränen der Anstrengung und der Wut liefen dem Waldelb über die Wangen. »Du, du Mörder«, brüllte er und versuchte, sich unter dem stinkenden Kadaver freizustrampeln. Doch auch das half nichts, er blieb wie am Boden festgenagelt. Erschöpft ließ er die Arme fallen, sodass der Wargkopf auf ihn niedersank. Angewidert drückte er rasch sein Gesicht zur Seite und presste es in den modrigen Waldboden. Hilflos hörte Martius, wie erneut Warge aus dem Dickicht brachen. Sie scherten sich nicht um den Elb und den toten Artgenossen, sondern sprangen einfach über sie hinweg, dorthin wo Geschrei und Gebell wüteten. Befriedigt hörte Martius heraus, dass die Warge kein leichtes Spiel hatten. Erleichtert konnte er Stimmen erkennen, die den Bogenmeistern anderer Wächtereinheiten gehörten. Martius hielt es für möglich, dass das Belfern der Warge bis zu dem nur wenige hundert Schritt entfernten Dorf gedrungen war. Die Waldelben waren ein umsichtiges Volk, das hoch oben auf den Mammutbäumen wohnte, um die Umgebung immer im Blick zu behalten. Der Ausguck im Wipfel des Mammutmars, dem höchsten und prächtigsten Wohnbaum, war stets durch einen Wächter besetzt. Er schloss die Lider und sah förmlich vor seinem inneren Auge, wie die Elbenwächter das Wargrudel umringten und sie mit langen Speeren in die Enge trieben, damit sie von den Bogenschützen abgeschossen werden konnten. Ein leises Knacken ließ ihn zusammenzucken und die Lider hochreißen. Zwei Wildlederstiefel mit Fransen erschienen in seinem Gesichtsfeld. Sie reichten bis zu den schlanken Knien. Die Besitzerin der Stiefel hockte sich hin und beugte sich grinsend zu ihm herunter. Er sah in ein fremdes Antlitz einer Schönheit, edel wie eine Göttin. Die vollen Lippen, die er noch eben als hämisches Grinsen fehlgedeutet hatte, formten sich zu einem bezaubernden Lächeln, das sein Herz höherschlagen ließ. Dunkelrotes, glänzendes Haar wellte sich leicht über die Schultern und reichte ihr bis zur Hüfte. Als sie ihn ansprach, verstand er sie zunächst nicht, da ihre Stimme ihn bezauberte. Sie sprach, doch es klang schöner als eines der bewegenden Lieder von Moira. Nach einer Weile drangen ihre Worte in sein Bewusstsein.

»Der Warg scheint schwer zu sein, mein Herr.«

Martius konnte nur leicht nicken und kam sich wie ein Narr vor. Sie beugte sich noch etwas tiefer und gab so den Blick auf eine Halskette mit einem roten Schmuckwerk, das zwischen ihren Brustansätzen baumelte, frei. So einen Stein, der meisterhaft in tausend Facetten funkelte, hatte er noch nie gesehen. Keine Meisterhand konnte einem Edelstein einen solchen Schliff verpassen. Sie schien seinen Blick zu bemerken, denn sie griff augenblicklich nach dem Kleinod. Martius hatte den Eindruck, dass das faustgroße Schmuckstück einen betörenden Duft verströmte, den er kannte. Wenn Moira lange durch den Elbengarten gestreift war und beim Üben ihrer Lieder die Blumen mit ihren Händen berührt hatte, hatte ihre Haut genau diesen Duft angenommen.

Das konnte nicht sein. Das bildete er sich ein. Die Sehnsucht nach seiner Tochter war einfach zu groß.

Er schloss die Lider und stöhnte.

»Wartet, mein Herr. Ich befreie Euch von der Last.« Tatsächlich zerrte sie den Warg von ihm herunter, als wäre er ein zartes Reh. Sie reichte ihm die Hände, um ihm aufzuhelfen. Als ihre Finger seine Haut berührten, spürte er es prickeln. Sie ist magisch, dachte er voller Schrecken. Magie galt als verdorben. Doch wie sonst sollte sie das Monster von ihm herunterbewegt haben? Sie setzte es für etwas Gutes ein. War die Magie dann nicht ebenso gut?

Als er stand, bemerkte er, dass die Elbin mindestens ein Kopf kleiner als die Elbenfrauen war, die er kannte. »Wer seid Ihr, meine Holde?«, fragte er.

Sie lächelte und zwang ihn, in ihre riesigen, grauen Augen zu schauen. Er lächelte zurück und empfand sich leicht und unbeschwert wie schon lange nicht mehr. In diesem Augenblick fühlte er sich ihr nahe, das war beglückend. Da waren nur sie und er. Keine Warge, keine tobende Meute und tote Freunde, keine Moira, keine Sehnsucht oder Trauer. Er spürte, wie er sie liebte.

Dann sang sie ihm ein Lied und zeigte ihm Visionen von einem gemeinsamen Kind, das gar nicht weit von hier in einem Wolfsbau auf Martius wartete. Da gewahrte er, wie in seinem Herzen Sehnsucht nach seinem Kind einzog, obwohl die Überbleibsel seines Verstandes ihm zuraunten: Du hast kein Kind gezeugt. Nicht mit ihr.

»Versprich mir, dass sie es guthaben wird«, flehte sie.

»Wir könnten sie gemeinsam großziehen, Geliebte.« Denn das war sie für ihn. In diesem Moment.

»Nein, leider ist das nicht möglich.«

»Warum nicht?«

Auf einmal spürte er, wie ihn schwarze Schatten umgaben. »Martius, wo bist du?«, hörte er Emdoras rufen.

»Versprich es mir!«, dröhnte die Fremde, die die Worte mit einem Donnern in ihrer Stimme ausstieß. Nun wirkte sie mehr wie eine Rachegöttin, schön und grausam.

Martius duckte sich und stotterte: »Ich verspreche es dir!«

Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter, erschrocken drehte er sich um und sah in das Gesicht seines Bogenmeisters. »Martius, alles gut. Ich bin es!«

Der Waldelb schüttelte sich. »Hast du mich erschreckt!«

»Das tut mir leid. Bist du verletzt?«

»Glaube nicht. Wie sieht es aus?«

»Die Warge sind tot oder geflohen.«

»Tapfere Sylvani!«

»Auch, aber wir hatten Hilfe. Ohne eine fremde Elbin wären wir verloren gewesen. Sie hatte rotes Haar. Ein solches Rot habe ich noch nie auf einem Elbenkopf gesehen. Es hatte die Farbe dunklen Blutes.« Er schüttelte den Kopf, wohl, weil ihn dieses Detail so verwunderte, dann schilderte er weiter: »Sie ließ einen Feuerregen auf das Rudel niederprasseln, die Warge gingen in Flammen auf, jaulten und heulten. Hast du es nicht gehört?«

»Nein, meinst du diese Elbin?« Doch als Martius sich zu seiner Geliebten umwandte, war sie verschwunden. Der Waldelb starrte verständnislos ins Nichts.

»Martius, da ist niemand.«

»Sie war aber hier. Der Warg, siehst du den Warg dort, der lag auf mir und sie hat ihn von mir genommen, als wäre es nichts. Diese zarte Schönheit.«

»Dann war es bestimmt die bluthaarige Elbin.«

»Ja, sie trug solches Haar«, bestätigte Martius versonnen.

»Sie ist offenbar eine Zauberin«, stellte Emdoras fest.

»Hexe, meinst du wohl«, stieß der Goldschmied aus, dem bewusst wurde, dass sie ihm etwas vorgegaukelt hatte. Bei aller Verwunderung überkam ihn Scham. Er hatte in Gedanken gesündigt. Den Waldelben war nur reine Liebe gestattet, die ausschließlich mit der einen Erwählten, der sie das Ewige Versprechen gegeben hatten, körperlich ausgelebt werden durfte. Aber nur so lange, bis der Leib mit einem Kind gesegnet war. Dann war es ihnen nicht mehr erlaubt, sich auf diese Weise zu nähern. Jedes erwählte Paar durfte nur so viele Kinder bekommen, wie Geister der Ahnen auf ein neues Zuhause warteten. So war es Martius selbst nach dem Tod Moiras nicht mehr gestattet, sich mit seiner Gefährtin Auralia zu vereinen. Doch bis zu diesem Augenblick hatte er es nicht vermisst. Die Zeugung von Moira mit der spröden Elbin war verkrampft und mühselig gewesen.

Emdoras sprach mitten in seinen inneren Disput. »Wenn, dann eine gute Hexe. Sie hat uns gerettet. Die Warge waren hoffnungslos in der Überzahl. Es müssen weit über hundert gewesen sein, die den Pfeilen und Speeren unserer tapferen Leute widerstanden. Der Angriff hat viele Opfer gekostet.«

»Wie viele?«

»Von meiner Gruppe haben nur wir überlebt.«

Martius stieß einen Seufzer aus. »Arker und Rexto habe ich fallen sehen.«

Emdoras fasste den Goldschmied am Arm und sah ihn an. »Diese mörderische Brut. Dreißig weitere tapfere Elben haben sie gerissen. So viele Leben!«

»Was ist mit Auralia?«

»Sie ist in Sicherheit!«

»Töteten sie Elbinnen oder Kinder aus dem Dorf?«

»Nein, DEM EINEN sei Dank. Nein. Diesmal nicht!«

Martius sah durch den Bogenmeister hindurch. Zwei Jahre war es nun her, dass ein junges Wargrudel ihr Dorf überfallen hatte. Bis dahin hatten sich die Waldelben sicher gefühlt. Sie lebten in prächtigen Leichthäusern, gebaut aus magischem Eischbeholz auf den riesigen Blättern der Mammutbäume. Dem Himmel so nah fühlten sie sich unangreifbar. Die Grundblätter waren zum Teil durch Brücken und Wendelwege miteinander verbunden. Nur die Parkanlage mit dem Brunnen war auf dem Erdboden angesiedelt. Und dort hatte sich seine Tochter Moira mit einigen anderen Elbenkindern zu Musik und Tanz getroffen. Die Elbenmädchen hatten sich an den Händen gehalten und den Kaskadenbrunnen umringt, während Elbenknaben Harfe und Flöte dazu spielten und Moira sang. Sie hatte die schönste Stimme gehabt, die man sich vorstellen konnte. Die Lider geschlossen, fühlte sie der Melodie nach und schuf immer wieder neu ein Kunstwerk. Sie hatte ein großes Talent, das das ihrer Mutter, der berühmten Sängerin Auralia, übertraf. Als die Warge durchbrachen, veranstalteten sie einen Höllenlärm – so konnten die meisten fliehen. Doch Moira war gefangen gewesen in ihrem Lied und so zum ersten Opfer geworden. Auralia musste mit ansehen, wie die Bestie ihr hilfloses Kind ansprang und ihr mit einem Biss die goldene Kehle herausriss. Sie war sofort tot gewesen. Noch einige Opfer waren zu beklagen, denn drei Wargen gelang es, die Leitern und Wendelwege nach oben zu erklimmen. Die anderen starben im Pfeilhagel der Elben.

Plötzlich spürte Martius den festen Griff von Emdoras, der ihn hielt. Jetzt erst merkte er, dass die schmerzliche Erinnerung ihn schwanken ließ.

»Komm und hilf, die Verletzten zu versorgen«, ordnete der Bogenmeister an.

Geistesabwesend nickte Martius. Dann schoss ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. »Ist die blutrothaarige Elbin dabei?«

Emdoras schüttelte den Kopf: »Nein, sie ist weder unter den Toten noch unter den Verletzten. Sie ist spurlos verschwunden.«

Als Martius nichts dazu sagte, setzte der Bogenmeister hinzu: »Gern würde auch ich mich bei ihr bedanken. Sie hat viele Leben gerettet.«

»Warum sie wohl verschwunden ist? Wir hätten sie doch gern gefeiert«, sinnierte der Goldschmied, dessen Gefühle verwirrend waren. Jedes Mal, wenn er an die fremde Elbin dachte, sehnte er sich nach ihr. Auch wenn es nicht sein konnte und durfte, musste er sich eingestehen, dass er in heißer Liebe zu ihr entflammt war.

»Besonders Auralia muss der Fremden dankbar sein, dass sie dich nicht unter dem Warg sterben lassen hat.«

Bei dem Namen seiner Gefährtin zuckte Martius schuldbewusst zusammen. Auralia war eine Schönheit, berühmt und edel. Er konnte sich glücklich schätzen, ausgewählt worden zu sein, um mit ihr ein Kind großzuziehen. Sie war eine liebevolle Mutter gewesen und hatte es verdient, dass er ihr treu zur Seite stand, um mit ihr gemeinsam über den Verlust ihrer Tochter hinwegzukommen. Warum verglich er sie mit einer dahergelaufenen Fremden, die in ihm Tagträume hervorlockte? Sie musste doch eine Hexe sein, die ihn verführt und ihm falsche Gefühle vorgegaukelt hatte. Offenbar eine Meisterin, wenn er nicht mehr wusste, was er fühlte. Denn bei aller Täuschung war ihm bewusst, dass er sie noch immer liebte und sich qualvoll nach ihr sehnte. Plötzlich erinnerte er sich an sein Versprechen und sagte: »Ich muss zum alten Wolfsbau.«

»Was willst du da?«

»Die fremde Elbin hat …, ähm, ich fürchte, sie hat uns etwas hinterlassen. Bitte, lass uns nachsehen!«

 

Leseprobe: 1. Kapitel aus Feuerzorn

1. Wargin

Apeiron (Sekundäre Dimension), Eisenland

Im Jahr 520 des Götterlosen Zeitalters

Königreich Dion, Sylvana, oder auch das entrückte Gebiet der Waldelben ins Legendenreich, mitten im Silberwald

Die blutrote Wargin taumelte. Ihre Pfoten bluteten. Das struppige Fell klebte an dem dürren Körper. Das Hecheln verschaffte ihr keine Abkühlung. Geschwächt nahm sie die Baumstämme und Büsche, durch die sie stolperte, nur verschwommen wahr. Wenn sie doch einen Augenblick verschnaufen könnte. In der Ferne hörte sie das aufgeregte Belfern der wilden Warge, die sie jagten. Sie und den Welpen. Es gab für sie kein Verharren. Sie war erschöpft, musste aber dennoch weiter. Fort von dem alten Wolfsbau. Die Horde weglocken von dem kleinen Schatz, den sie in der Höhle verborgen hatte. Dafür tat sie alles. Jeder Muskel in dem klobigen Körper biss, die Knochen schrien und sie fürchtete, sie könnten bersten. »Reiß dich zusammen!«, feuerte sie sich an. Es musste ihr gelingen, das Kind zu retten. Ihre Gedanken kreisten um ihr Mädchen, das sie zurückgelassen hatte. Wenige Wochen alt, nackt, in Tücher gewickelt, lag das Kind mutterseelenallein in der Höhle. Die Wargin hoffte, dass sie in der Hetze gut gewählt hatte. Dieser ehemalige Wolfsbau stank so sehr nach altem Wolf, dass der Geruch den des Elbenkindes übertünchte. Inbrünstig, wenn auch nur aus Gewohnheit, betete sie zu Arthemis, dem Gott der Erde und der Jagd, dass die Warge sie nicht zu wittern vermochten. Mit Wehmut erinnerte sie sich an das letzte Lächeln, das die zarten Lippen zustande gebracht hatten. Es war nur für sie bestimmt gewesen, doch in dieser Gestalt besaß sie keinen Mund, um das Mädchen zu küssen oder es mit einem Schlaflied zu besänftigen. Und selbst für diesen letzten Augenblick wagte sie es nicht, sich zu verwandeln. Es brauchte einfach zu viel Zeit und Kraft. So blieben nur die Zauber, die sie gewoben hatte, um Amruila zu beruhigen und in den Schlaf zu wiegen.

Sie zwang ihre müden Läufe, sich zu heben und zu senken. Es verlangte ihr viel Konzentration ab. Nur mit Mühe fing sie sich, als sie über die Wurzeln strauchelte. Die Warge kamen näher. Sie hoffte, der Zauber würde stark und verlockend genug sein, dass die Waldelben das Kind fänden, bevor es verdurstete oder erfror. »Amruila«, flüsterte sie mit ihrem Herzen. »Pass gut auf dich und dein Feuer auf!« Sie spürte auf der Haut, wie der Abstand sich gefährlich verringerte. Mit letzter Kraft setzte sie sich in einen wackeligen Trab, um die knappe Distanz zu den nahenden magischen Raubtieren wenigstens zu halten. Wenn sie doch kurz rasten könnte, um ins Zaubergewebe zu greifen und Kraft abzuzweigen. Sie fühlte sich leer und ausgezehrt. Der Warg, in dem sie wohnte, forderte seinen Tribut und ebenso die Tausende Meilen, die sie zurückgelegt hatte. An der geheimen Grenze zu Sylvana hatte ihr dieses Rudel Warge aufgelauert, das sich nicht abschütteln ließ. Es war ihr gelungen, einen gehörigen Vorsprung herauszuarbeiten, als sie ihr Ziel Sylva, das Dorf im Gebiet der Waldelben, das man den Legenden zuschrieb, erreicht hatte. Die Winde flüsterten, dass dort ein gesegneter Goldschmied lebte. Ihn hatte sie erwählt. Er sollte es sein, der Amruila großziehen würde und bei dem sie in die Lehre gehen konnte. Wenigstens für eine gute Basis. Den Köder für den Goldschmied hatte sie ausgelegt. Das müsste ihn binden. Doch es hatte ihr viel an Kraft abverlangt, neben dem Kristall auch noch die Zauber in diese dunkle Höhle zu weben. Sie dachte an die grauen Augen, die sie in der Finsternis auf sich gespürt hatte, als sie das Kind in Decken gewickelt in eine Nische legte. Sie umgab den Säugling mit der mütterlichen Aura. Der Kristall sollte ihm darüber hinaus Licht, Wärme und Zuversicht schenken. Es tat weh, das eigene Fleisch und Blut zurückzulassen, doch es gab keine andere Möglichkeit. Die Wargin fühlte sich uralt und wusste, dass sie bald sterben würde. Die Magie ihres Volkes brannte nur noch mit einer dünnen Flamme in ihr. Das Zauberschmieden und die Wargerei verzehrten sie. Doch als sie die Höhle verließ, holte die Horde auf. Erneut hörte sie das Belfern der Verfolger. Ihr Kopf hämmerte, dass es sie schmerzte und sie kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Schwache Schatten von Magie griffen nach ihr. Sie musste fort und versuchte einen leichten Galopp. Jede Bewegung strengte sie an. Die Warge kläfften im Jagdrausch. Sie wussten, dass sie und der vermeintliche Welpe, den sie zwischen den Zähnen bis hierher geschleppt hatte, etwas anderes als gewöhnliche Warge waren. Sie ließen sich nicht täuschen und rochen das Feurige, das an der blutroten Wargin klebte und das die Raubtiere hassten. Feuer war das Einzige, was die ponygroßen Tiere mit grausamer Blutgier fürchteten. Sie zwang sich, das Tempo zu steigern. Nicht, dass sie dem Tod anheimfiel, ängstigte sie, sondern dass diese Monster den letzten Nachkommen des Halbgottes Amruil fressen könnten und mit ihr die letzte Erbin über das Vermögen zum Zauberschmieden vertilgten. Sie hoffte, dass es Amruila ohne Anleitung und Kenntnisse der Feuerelben lernen würde. Das alte Wissen der Seelen, die in der kleinen Elbin lebten, musste von ihr erkannt und mit Magie erfüllt werden. Die Wargin trachtete danach, dass das Kind überlebte und selbst Kinder bekam, damit die Erben Amruils nicht ausstarben. Von Weitem hörte sie Stimmen. Elbische Stimmen. Womöglich waren es die Wächter, die bemerkt hatten, dass ein Rudel Warge in ihr heiliges Sylvana eingedrungen war. Augenblicklich änderte sie den Kurs und hielt auf die Wargjäger zu. Hoffentlich war unter diesen Elben der Goldschmied. Sie würde ihn an dem Geruch, der ihm anhaftete, erkennen. Im vollen Galopp rannte sie, beflügelt durch die Nähe ihres Ziels. Sie erlaubte sich, zu hoffen. Entweder verfolgten die Warge sie und kämen so vor die schussbereiten Bögen oder sie erkannten die Falle und nahmen einen anderen Weg. Hauptsache möglichst weit weg von der Höhle! »Großer Arthemis, beschütze mein Kind«, betete sie zu dem Gott der Erde, der Eisenland wie alle anderen Götter verlassen hatte.

Elben

 

Die Zauberschmiedin ist ein Elbenepos.

Die wichtigsten Helden im ersten Teil „Feuerzorn“ sind Elben.

Meine kundige Elbin
Meine kundige Elbin

Die Welt der Elben

Die Reihe spielt auf Eisenland. Eine Erdplatte, die von dem Wal Ape getragen und mit Luft versorgt wird. Apeiron, die unbegrenzte Welt, in der Eisenland wie ein einzelner Kontinent von einem Urmeer umgeben ist, ist die Sekundäre Dimension die parallel zu unserer Dimension existiert.

Völker auf Eisenland

Auf Eisenland leben viele Völker. Die von DEM EINEN geschaffene Wesen wie Elben, Zwerge, Menschen, Kobolde, Gnome und die Wesen, die der gefallene Gott Bael aus den Seelen und Blut der Geschöpfe mit Magie und Qual kreiert hat wie z.B. Marrovals, Orks und Bilwisse.

 

Elbin und Menschen bei Orks Zuhause,
Elbin und Menschen bei Orks Zuhause

Wer sich an andere Welten und besonders an Tolkiens Universum erinnert fühlt, dem sei gesagt, das ist kein Zufall. Natürlich ist der Überbau und die Grundpfeiler des Kosmos meiner Geschichten von Sagen, Mythologien und Fantasy inspiriert.

Die Elben

Elben gehören zu den ältesten, weisesten und klügsten Lebewesen von Eisenland. Gleich welcher Rasse sind sie groß gewachsen, bis auf die kleineren Feuerelben meist um die zwei Meter, schlank, feingliedrig, blass, edel und einfach zu schön. Unsterblich sind sie zudem. Sie besitzen unendlich viel Energie, die sie immun gegen Krankheiten werden lässt. Doch können Hunger und ein tückisches Laubfieber ihnen diese Energie rauben und sie altern und sterben lassen. Ebenso können sie ihr Leben durch Gewalt wie durch Gift oder ein Schwerthieb verlieren. Die Elben glauben aber, dass ein heldenhafter Elb wiedergeboren wird und ihre Seele, in den Leib einer ausgewählten Elbin fährt und dort bis zur Geburt, die sehr menschlich anmutet, geboren wird. Die Energie bleibt wie bei dem Energieerhaltungssatz auf Eisenland.

Die Entwicklungsstadien der Elben

Die Entwicklung von Elbenkinder dauert dreimal so lange wie bei uns Menschen. Die jungen Elben werden mit ungefähr fünfundvierzig Jahren am Tag der Jugend in den Kreis der erwachsenen Elben aufgenommen. Das entspricht so ungefähr unserer Jugendweihe, Firmung oder Konfirmation. Wenn die Phase der Kindheit und Jugend vorbei ist, dann kommen drei Entwicklungsstufen:

Die Zeit des jungen Elben, des mächtigen Elben und des weisen Elben.
Stadien der Elben Funktion der Elben Morphologische Erscheinung in Menschenjahren
Phase der Kindheit und Jugend Faktor x 3
Phase der Jugend beendet mit Tag der Jugend zwischen 45 und 50 was ungefähr dem morphologischen Alter eines Menschen von 15-17 entspricht
Junge Elben meist Krieger, Jäger, Wächter

Auserwählte bekommen Kinder

von 20 bis 35 Jahren
Mächtigen Elben erfahrene Handwerker, Künstler, Sprecher, Politiker von 36 bis 50 Jahren
Weisen Elben Berater, Lehrer über 50… aber auch ein weiser Elb mit vielen Zeitaltern auf dem Buckel sieht halt aus wie ein knackiger Mittsechziger, sorry.

Diese Stufen – bis auf Kindheit- und Jugendstadium (ca.50 Jahren) – dauern hunderte oder sogar tausende von Jahren und gehen abrupt in die nächste Entwicklungsphase über. Von welchen Faktoren der Wechsel abhängt, ist noch nicht erforscht. Manche haben den Eindruck, das Schlaf, gesundes Essen und etwas Glück und Liebe selbst den privilegierten Elben zu einer längeren Entwicklungsphase verhelfen. Die meisten Elben befinden sich im Stadium der jungen Elben (60%). Mächtige Elben machen ungefähr 35% aus und die weisen Elben und die Kinder und Jugendlichen teilen sich die restlichen 5%. Die Anzahl der Seelen bleibt, seitdem die Schöpfung aller Elbenvölker abgeschlossen ist, konstant. Da sich besonders die Menschen stark vermehren, verringert sich der Anteil aller Elben bezogen auf die Gesamtbevölkerung von ganz Eisenland nur auf wenige Prozente.

Fertigkeiten der Elben

Alle Elben sind überaus ausdauernd, können unendlich weit laufen und besitzen viel Kraft. Wenn ihnen ihre Energie aber entzogen wird, beginnen sie sehr menschlich zu schwitzen.

Da ihnen ihre überlegenen Fähigkeiten gegenüber anderen Völkern bewusst ist, neigen Elben zu Arroganz, Selbstgerechtigkeit und Eitelkeiten. Da sie so lange leben, entwickeln sie ihr Handwerk bis zur vollkommenen Meisterschaft. Sie lieben ihre Hochkultur und pflegen Künste wie Singen, Schauspielen, Tanz, Malerei aber auch ihre Sprache.

Elbin aus Hdro ... hier vor Bruchtal. Da ich seit 8 Jahren als kundige Elbin unterwegs bin, kenne ich mich mit Elben ganz gut aus.
Elbin aus HdRO. Stets auf Heldenreise auf der Suche nach Questen. Hier auf dem Weg nach Bruchtal. Da ich seit acht Jahren als kundige Elbin unterwegs bin, kenne ich mich mit Elben ganz gut aus.

Elbenvölker auf Eisenland

  • das älteste  Volk: Lichtelben. Sie kommen aus Lukien
  • das machtvollste Volk: Feuerelben. – Sie  entstammen aus Silbrarillia (Westmark)
  • das größte Volk: Ostelben aus den Ostelbenlanden
  • das legendäre Volk: Waldelben aus Sylvana, das legendäre Reich in Dion
  • Seeelben und  Hohe Elben, beides Völker aus der Westmark,

Seelben leben an der Westküste und Hohe Elben sind meist Gelehrte oder Studenten der Universität Silbramagica in Silbrarillia, ehemals die irdische Stadt der Götter.

(Mehr über die Elben aus dem Zauberschmiedin-Kosmos demnächst hier)