Rückblick 2019

Liebe LeserInnen, Interessierte und Freunde,

2019 war für mich ein zwiespältiges, intensives und auch schmerzhaftes Jahr. Es war so ein bisschen wie gegen Drachen oder Windmühlen kämpfen.

Einerseits eine Katastrophe:

Kein Buch veröffentlicht!

Obwohl einige interessante Konzepte und Rohfassungen vorlagen und ich weit über 1000 Seiten für die Zauberschmiedin geschrieben habe.

Das schlimmste: Euch, die ihr sehnsüchtig den Abschlussband der Zauberschmiedin erwartet habt, musste ich wieder und wieder vertrösten und enttäuschen, dabei hatte ich Drachendüster 3-4x geschrieben.

Was war passiert?

Als ich den 4. Band „Drachensplitter“ geschrieben hatte, sollte es der Abschlussband werden, doch es gab so viel zu erzählen. Also machte ich daraus zwei Teile, veröffentlichte Drachensplitter und jubelte „Der Abschlussband ist in wenigen Wochen zu haben!“

Als ich ihn fertigstellte, gefiel er mir nicht mehr ( zu dem Zeitpunkt sollte der Abschlussband noch Silbrenlicht heißen) und beschloss alle anderen Projekte aufs Eis zu legen und die Geschichte völlig neu zu konzipieren.

Obwohl ich vom Grundplot und das Ende begeistert war, brauchte ich unzählige Seiten, Monate und Rüffel von meiner wunderbaren Lektorin Claudia Pietschmann, denn irgendwie war ich ganz weit weg von meiner Zauberschmiedin und von mir.

Doch sie bestärkte mich, mich auf mein Gefühl zu verlassen.  

Ich wollte so viel, war verkopft, verkrampft, verbissen. Mir wurde klar, dass die Akademikerin nun schrieb und nicht die Geschichtenerzählerin, die Vertraute von Rayka, Merlynn und Co.

 

 

 

 

Ich war gescheitert. Nicht nur einmal. Das tat wahnsinnig weh. Selbstzweifel plagten mich. Wie war ich bloß auf die Idee gekommen, Bücher schreiben zu können?

Gesundheitlich bekam ich es auch direkt zu spüren, denn aufgrund einer neurologischen Erkrankung, die mich seit 2008 als Lehrerin berufsunfähig macht, wird immer wieder meine linke Seite taub und gefühllos. Nichts geht automatisch. In diesen Perioden muss ich mich darauf konzentrieren, zu sprechen, zu laufen und etwas anzufassen, was mich sehr erschöpft.

Aufgeben wollte ich nicht. Irgendwie musste ich mich aus dieser Schreibhölle herauskämpfen. In mir sind so viele Geschichten, die erzählt werden wollen, auch die Zauberschmiedin. Also: Aufrappeln und den Abschlussband schreiben, den ihr verdient habt und Rayka würdig ist.

Einige Zeit verbrachte ich nur damit mich wieder ganz meinen Helden nahe zu fühlen, wie sie sind und wie sie sich entwickeln können, damit alle offenen Erzählstränge spannend und glaubhaft zu Ende erzählt werden. Schließlich hocken die Zentaurin Dazhera und der Waldelb Nestori in der Spalte, Eisenland versinkt noch im Chaos, das durch das Himmelskörpersterben angerichtet wurde. Wie geht`s mit Rayka und Targoin weiter, können sie endlich ihre Liebe leben? 

Also konzipierte ich neu, las immer und immer wieder die vier Teile und ließ der Geschichte ihren Lauf. Ich fand meine Freude wieder, sowohl an diesem verfluchten Band, als auch an andere Geschichten, an diesem Beruf, trotz des Frusts der letzten Monate. Jedenfalls ist der Fluch gebrochen.

Vielleicht werde ich in einigen Jahren zurückblicken und erkennen, wie wichtig, dieses Jahr für meine Entwicklung als Schriftstellerin gewesen war.

Euch danke ich für eure Geduld, Treue und manches verständnisvolle und aufmunternde Wort. Danke.

Stand: Das Manuskript liegt bei meiner Lektorin. Da ich nicht weiß, wie viel Arbeit und Zeit es noch braucht, werde ich mich vor vorschnellen „IN KÜRZE“ beim Veröffentlichungsdatum hüten.

Die Drachin und die Vulkanburg

(aus Schattenrausch dem 2. Band der Fantasy-Reihe Die Zauberberschmiedin)

Die Drachin konnte schon von Weitem die schwarzen Türme der Burg sehen, die vor vielen Zeitaltern durch Zauberhand auf einem pulsierenden Vulkan errichtet worden waren. Die Zinnen erinnerten an scharfe Drachendornen und waren durchbrochen von Wehrplatten, die aus hellblauem Eis geschmiedet zu sein schienen. Die Drachenaugen zeigten ihr eine weiße, kalte Burg, die von tiefroten Adern durchzogen war. In dem Berg, auf dem hoch oben die Burg thronte, pochte das Rot, das in Fontänen heiß von innen an die Gipfel klatschte. Ihrem elbischen Auge wäre das Innenleben verborgen geblieben, doch als Feuerdrache konnte sie voller Staunen die Magmaströme verfolgen, die explodierten und die Wände der Burg durchflossen. Sie schienen in einem Kreislauf gefangen, und die Felsen mit glühender Lava zu versorgen. Vor lauter Faszination wäre ihrem sonst so wachsamen Auge fast die kleine Gruppe entgangen, die sich als drei rote Punkte auf den Aschefeldern unaufhaltsam auf die Burg zubewegten.

Verdammte Wargscheiße. Wenn sie Lavilija hinter die hohen Mauern verschleppten, wie sollte Rayka die Lichtelbin befreien? Sie zwang sich, das Geschehen genau zu beobachten, was ihr als Drache schwerfiel. Die Burg schien aus einem Guss zu sein. Vielleicht lag es an der Sicht des Drachen, dass sie weder Eingänge noch Zugbrücke erkennen konnte, als sich plötzlich eine Schar roter Punkte von der Südseite aus der Anlage schälte. Mit drei klopfenden Herzen wagte sie, näher heranzufliegen. Tatsächlich lag eine geöffnete Zugbrücke aus blankem, eiskaltem Material auf schroffem Vulkangestein. Sie glaubte, dass es sich nur um Schattenschimmer handeln konnte. Magischer Werkstoff, den der Gefallene einst aus dem Nihelem mitgebracht haben sollte, als er dort nach der Ewigen Flamme gesucht hatte. Sie hatte davon in den alten Büchern gelesen, und die Goldschmiedin in ihr trachtete mit jeder Faser ihres Seins danach, dieses Wunderzeug in die Hände zu bekommen. Vielleicht konnte sie damit ihr Medaillon vervollkommnen. Die roten Punkte ritten auf ebenso roten Flecken. Ihre Nase verriet ihr, dass es Menschen auf Pferden waren, die auf einem schmalen Geröllpfad zwischen den spitzen Felsen herunterkamen. Der Weg führte in weiten spiralförmigen Schlangenlinien um den Vulkan herum, sodass die kleine Gruppe am Fuße des Berges angelangt war, als die Reiter unten eintrafen.

»Das Empfangskomitee«, seufzte Rayka enttäuscht. Auf irgendeine Weise musste sie mit hinein. Am besten schlüpfte sie ungesehen mit der Gruppe in die Burg. Als Feuerdrache war das unmöglich, sie musste sich rasch etwas einfallen lassen. So flog sie erst einmal außer Sichtweite und nahm ihre Elbengestalt an, um besser denken zu können. Hinter den kahlen Baumgerippen, die am Rande der Aschefelder standen, konnte sie sich kaum verbergen, falls jemand von den Zinnen auf sie herunterschauen sollte. Doch die lagen verwaist unter den schwarzen Flaggen, auf denen in stilisierter Form speiende glutrote Vulkane abgebildet waren. Dennoch kauerte sich Rayka in eine Kuhle und starrte angstvoll den Berg hinauf. Ihre Elbenaugen zeigten ihr nun, dass es zwölf Reiter in schwarz-matten Rüstungen waren, die auf ebenso schwarzen, gewaltigen Kriegsrössern saßen. Sie nahmen die drei in die Mitte. Mit Schrecken erkannte sie, dass die Lichtelbin ohnmächtig zwischen ihren Häschern hing. Die Truppe setzte sich in Bewegung und folgte dem Pfad, der sich zwischen dem zackigen Gestein emporschraubte. Bald waren sie außer Sichtweite. Bis sie auf der anderen Seite ein Stück höher wieder sichtbar wurden, würde es eine Weile dauern. Also Rayka, du Zauberschmiedin, was wirst du tun? Angestrengt dachte sie nach, als sich ein kleiner fahler Aschefalter auf ihre Hand setzte. Seine Fühler kitzelten sie und die filigranen Flügel wirbelten Staub auf. Was so zarte Flügel eines daumengroßen Wesens so vermochten?

Als E-Book bei Amazon, kostenlos als Unlimited oder als Taschenbuch im Handel

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BoD Bookdate Contest

Romance, Fantasy, Crime: BoD und TWENTYSIX suchen die drei besten Stories. Die Jury wählt aus allen eingereichten Geschichten zwei aus; die dritte wird jeweils über die meisten Instagram-Likes je Genre ermittelt.

Das große Finale des Bookdate Contest findet am 22. März 2019 ab 20 Uhr im Rahmen von „Leipzig liest“ statt, dann werden die drei finalen Stories pro Genre präsentiert, gelesen und die Gewinner vom Publikum gewählt.

»Ich mach‘ da mal mit«, habe ich mir gedacht.

Das Ergebnis könnt ihr bis zum 15.02 bei instagram unter bookdate.leipzig@ruth.muehlau.fantasyautorin sehen!

Voraussetzungen   erfüllt  
Du besitzt einen
Instagram-Account?
Ja, ruth.muehlau.fantasyautorin
Genre: Romance, Fantasy
oder Crime
Fantasy-natürlich
Dein Text stammt aus
einer deiner Veröffentlichungen
oder ist für diesen Wettbewerb neu verfasst
Der Text stammt aus meinem
veröffentlichen Roman: Feuerzorn,
1.Teil von Die Zauberschmiedin
Der Text handelt von einer prägenden Begegnung an einem besonderen Ort Ja, ich habe die Textstelle ausgewählt, als Rayka auf den Wargwelpen trifft, der von einer Harpyie gejagt wird. Der besondere Ort ist die Kultstätte, in die sie sich retten.
Der Text ist in deutscher Sprache
verfasst
Ja, ich kann auch nicht viel anderes!
Umfang: max. 2.000 Zeichen
inkl. Leerzeichen  
Das wird knapp. Nach vielen präg- nanten Kürzungen bin ich auf 1938 gekommen!
Ein Foto im Flatlaystil,
Bildmaße: idealerweise
1.080×1.080px (JPG-Datei)
Flatlay? Was ist das?

Das ist bei dem Foto rausgekommen:

Das Flatlay für den BoD-Bookdate Contest

Und das ist der Text:

Der Wargwelpe

Von Weitem hörte sie den Schrei der Harpyie. Das ponygroße gefiederte Ungeheuer hatte die Verfolgung nicht aufgegeben. 

»Wir müssen hier weg! Sie wird uns fressen«, schrie die Feuerelbin den verwaisten Wargwelpen an, der sie nun böse anknurrte.  »Undankbares Vieh!« Ohne nachzudenken, ließ Rayka ihre Hand nach vorne schnellen, erwischte ein Büschel Fell, riss mit aller Kraft daran, sodass der Warg aufschrie und nach ihr schnappte. Mit ihrer Beute sprang sie auf und rannte los. Er nahm sofort die Verfolgung auf. Sie sauste um die Bäume in Richtung der Kultstätte, die Anhöhe hoch, sprang über entwurzelte Baumstämme und kleine Felsen, den Warg immer dicht hinter sich. Voller Wut biss er nach ihren Beinen. Sie spürte den ätzenden Geifer, der durch das Leder in ihre Haut drang. Wenn er mich kriegt, tötet er mich. Als sie oben auf dem Hügel angekommen war, sah sie in der Senke die riesigen Steine, die zu einem Kreis angeordnet waren, in dessen Mitte sich einige Monolithen türmten. Sie hechtete kopfüber über den Berggipfel, riss sich die Haut blutig auf, überschlug sich und fing sich ab, sodass sie auf dem Hintern landete. Der Boden war lehmig und durch den Regen schlammig, so rutschte sie den Berg hinunter. Gefolgt vom Warg raste sie auf die Kultstätte zu. Der Welpe rollte durch die aufgestellten Steine und knallte jaulend gegen den felsigen Unterstand. Als er sich aufgerappelt hatte, sah sie die klaffende Wunde auf seinem Rücken. Dann vernahm sie ein Fauchen. Die Harpyie! Sie steckte den Hals durch die Zwischenräume und stach mit dem Schnabel nach dem Warg, während sich die Feuerelbin an den Felsen drückte. Um den Beißattacken auszuweichen, packte Rayka den Welpen am Nacken und presste den wolfsgroßen zitternden Körper an ihre Brust. Dabei berührte Rayka mit ihrem zerbissenen Arm die Wunde des Wargs, aus der roter Saft sickerte. Ihr Blut vermischte sich mit seinem. Sie waren verbunden. Blut vom selben Blute. 

Wenn es dir gewählt, dann findest du es bis zum 15.02 bei instagram unter bookdate.leipzig@ruth.muehlau.fantasyautorin

Bekanntgabe der neun Finalisten: 25.02.2019

Prämierung auf dem BoD Bookdate: 22.03.2019


DRACHENSPLITTER als Taschenbuch

 

Bis DRACHENSPLITTER –

Band 4 der High-Fantasy-Reihe Die Zauberschmiedin als Paperback im Handel (Amazon, Thalia, Hugendubel, stationärer Buchhandel) erhältlich ist, kann es noch 1-2 Wochen dauern.

Drachensplitter als Paperback

Im BoD-Shop ist es aber schon bestellbar und wird portofrei in wenigen Tagen bei euch sein. Drachensplitter bestellen

 

Drachensplitter-Leseprobe

 

Band 4 der Reihe DIE ZAUBERSCHMIEDIN

Drachensplitter

Drachensplitter – der 4. Teil von DIE ZAUBERSCHMIEDIN

Prolog

Am Anfang aller Zeiten

 

Am Anfang aller Zeiten war DAS EINE vollkommen auf dem Punkt. Doch ES begehrte mehr und wollte sich verdichten. Nachdem ES sich zwei Aspekte abgerungen hatte, dachte ES finster und schwarz und so gebar ES einen finsteren, schwarzen und mächtigen Gedanken auf dunklen Schwingen. Sein Name war Schwarzschwinge. Aber allzu bald war sich der Drache seiner Macht bewusst und durchkreuzte die Pläne DES EINEN.

ES gestand sich SEINEN Fehler ein und dachte neu. IHM entsprangen zwölf frische, mächtige Gedanken. Götter, die IHM beim Schöpfen der neuen Dimension helfen sollten und dem bösartigen Drachen Einhalt gebieten konnten. Als die Götter Hilfe benötigten, schuf DAS EINE die Albozen. Einhundertvierundvierzig Lichtstreife. Für jeden der zwölf Götter zwölf Diener. Doch als einer der Diener im Feuer des Drachen verging, wusste DAS EINE, was ES zu tun hatte. ES brach Schwarzschwinges Macht und verteilte sie auf die Albozen. Den Drachen aber wies ES dem Feuergott als zwölften Diener zu.

Schwarzschwinge

Im Zeitalter der Götter

Sekundäre Dimension, Apeiron, Eisenland, im hohen Norden des Ewigen Eises

Wo war dieser Drache, wenn man die alte Echse mal brauchte? Bael war außer sich. Früher war er sein Diener gewesen, aber inzwischen sah er sich wohl mehr als der Waffenbruder des Feuergottes. Das machte die Sache nicht einfacher, doch Bael benötigte einen machtvollen Verbündeten mit einem freien Geist. Und Schwarzschwinge zeichnete sich durch diese Eigenschaften aus. Also war Bael in den hohen Norden des Ewigen Eises gereist. Dort hatte er dem Drachen eine imposante Vulkanbergkette zu einem Prachtpalast umbauen lassen. Dabei hatten ihn seine Festungen Dolmork und Baelband inspiriert, die ebenso auf Vulkanen standen. Schwarzschwinge und er teilten die Vorliebe fürs feurige Element. Bael kannte sich gut in den Schächten und Hallen aus. Für diesen Moment hatte er die Form eines Feuerkämpfers gewählt, seine Rüstung bestand aus glimmender Glut, das gab sein Befinden am besten wieder.

»Schwarzschwinge, wo steckst du?«, fauchten seine Flammen.

Eine dürre Gestalt auf zwei Beinen kam mit wiegenden Hüften auf ihn zu. Das musste die Marroval sein, die Bael dem Drachen überlassen hatte. Nachdem er die erste Lichtelbin zu einem Vampirweib verändert hatte, war ihm dieses Experiment noch häufiger geglückt.

Sie blieb in respektvoller Weite stehen, was aber auch an der mörderischen Hitze liegen konnte, die er ausstrahlte, und verbeugte sich so tief, dass ihre Stirn den Boden berührte, während sie mit angenehmer Stimme sprach: »Mein Gebieter, der Große Schwarz von Schwinge empfängt Eure Göttlichkeit in seinen Prunkgemächern!«

Es gefiel Bael, dass sie vor Furcht schwitzte. Sie schien durch den Dienst am Drachen nicht abgehärtet worden zu sein. Er ahnte, dass sie sich noch gut an das Licht der Lukia erinnerte. »Sehnst du dich nach deinem Dasein als Lichtelbin, meine Schöne?«

Sie verharrte in der Haltung. Nach leichtem Zögern sprach sie Richtung Boden: »Nein, Eure Göttlichkeit hat mich veredelt!«

Sie lügt gut, um mir zu gefallen. Auch er fand sie anziehend. Rasch kleidete er sich in das Fleisch eines wohlgefälligen Elben, um sie nicht zu verbrennen, und ging auf sie zu.

»Richte dich auf, damit ich dich besser betrachten kann!«, befahl er.

Groß gewachsen besaß sie noch die Anmut der Lichtelben, ebenso das kristalline Haar war ihr geblieben. Doch die Qual und das Fledermausblut hatten Spuren hinterlassen. Kleine, unnütze Flügelchen entsprangen an ihren Handgelenken und reichten bis zur Schulter, ihre Augen waren schwarz und rund wie bei den blutsaugenden Tieren. Er sah, wie sie seine elbische Witterung aufnahm und sich begierig die Lippen leckte. Obwohl sie wusste, wer er war, verwirrten sie sein Blut und seine Seele, die er vorgab zu besitzen, sobald er diese Gestalt annahm.

»Wie war dein Name?«, fragte er und fasste ihr grob unters Kinn.

Sie seufzte und verdrehte genießerisch die Augen. »Siebzehn!«

Ach ja, er hatte dafür gesorgt, dass die Vampirfrauen ihre Namen, die sie als Lichtelbinnen von seiner Schwester, der Göttin Lukia bekommen hatten, vergaßen, und ihnen stattdessen gesagt, die wievielte Marroval sie nun waren. Das war also Nummer Siebzehn. Sehr gelungen! Später würde er sich mit ihr befassen. »Bevor dich mein Blut und meine Seele um den Verstand bringen, führe mich zu Schwarzschwinge!« Wesentlich besser gelaunt folgte er der Vampirfrau.

 

Als er die riesige Prunkhalle betrat, die auch dem Drachen genug Platz bot, glomm der Zorn erneut auf. Die faule Echse, die bestimmt dreißig Mal so lang war wie ein Elb hoch, rekelte sich auf einem mit Samt bespannten Matratzenlager, statt ihm entgegenzueilen. Schwarzschwinge besaß ein reptilienartiges Aussehen: einen langgestreckten Körper mit keulenstarkem Schwanz, der mit scharfen Zacken verziert war. Seine klauenbewehrten Beine erinnerten an Säulen, die sich aber wie bei einem Krokodil beugten. Seine Schwingen hatten Ähnlichkeit mit den Flügeln einer Fledermaus. Sein Leib war mit einem undurchdringlichen schwarzen Hornpanzer bedeckt.

Leutselig rief Schwarzschwinge: »Bael, mein guter Freund!«

Bael schnaubte und sah sich um. Am liebsten hätte er den Drachen in die Lava gezwungen, bis er verglühte. Doch hatte er den Eindruck, dass Schwarzschwinge inzwischen fast zu alter Macht gefunden hatte. Wie das möglich sein konnte, war ihm ein Rätsel. Der Feuergott gierte nach einem Mittel, seine Macht auszubauen und so mächtig zu sein wie DAS EINE selbst. Um seinen Zorn zu kühlen, betrachtete er die Wände, die nach dem Vorbild seiner Vulkanfestung Dolmork gläsern waren und offenbarten, wie die Lava durch die Schächte rauschte. Das war Baels Erfindung, es war dekorativ und erzeugte ein angenehm heißes Klima.

»Nehmt Platz, mein alter Meister!«

Die Marroval geleitete Bael zu einem gemütlich aussehenden Sessel, in den er sich fallen ließ.

»Siebzehn, bring ihm was zu trinken!«

»Lass das. Ich will nichts trinken!«

»Essen?«

»Es reicht!«, donnerte Bael, so weit die Stimmbänder der Elbengestalt es zuließen. Lohen der Wut züngelten ihm aus den Nasenlöchern. Die Marroval wich ängstlich zurück. Ihre zusammengedrückte Seele, aus der eine Unseele entwachsen war, schrie grell auf. Rasch inhalierte er ihre Qual. Welch ein Labsal.

»Ich wusste, dass dir das mundet!«, sagte der Drache gönnerhaft.

»Und mich beruhigt!«, knurrte Bael, obwohl ihn der seelische Auswurf der Marroval durchaus entspannte.

»Auch das! Was kann ich für dich tun? Du bist bestimmt nicht in den hohen Norden gereist, um die Furcht meiner Marroval einzuatmen oder mich zu besuchen!«

»Wir hatten eine Abmachung!«

»Ich weiß!«

Die Stimme des Drachen hörte sich in Baels Ohren viel zu selbstsicher an. Er fürchtet mich nicht mehr!

»Ich habe alles abgesucht! Ich kann den Odem nicht finden«, beteuerte der Drache.

Bael spürte, wie die Verzweiflung ihn ergriff. »Ohne die Flamme des Lebens kann ich meine Geschöpfe nicht beleben!«

»Du musst mit DEM EINEN sprechen! Deine Ideen sind doch großartig.«

Bael seufzte. »Ich habe es schon vom Anfang aller Zeiten an versucht. DAS EINE sieht keinen Sinn darin! Die Elben seien unsterblich, warum also andere unsterbliche Wesen schaffen, hat ES gesagt!«

»Aber sie können krank werden, im Kampf fallen oder heimtückisch ermordet werden!«, warf Schwarzschwinge ein.

»Eben. Meine Kreaturen wären gegen jede Form des Sterbens gefeit.«

»Vielleicht hat ES doch gar nicht so unrecht. Sieh mal: Die Zwerge sind sehr hart, die halten viel aus. Sie leben auch recht lange. Die Seelen können sich bestimmt verdichten!«, gab der Drache zu bedenken.

»Zwerge? Dieses primitive Volk? Das ist nicht dein Ernst!«, sagte Bael voller Wut.

»Beruhige dich!«, ließ die alte Echse ihre sonore Stimme erklingen.

Die wenigen Silben hatten Ähnlichkeiten mit den lichten Melodien seiner Schwester Lukia. Bael wusste, dass sich Schwarzschwinge das abgeschaut hatte und sehr stolz darauf war, während der Feuergott es hasste. »Lass das!«, herrschte er ihn an.

Der Drache entgegnete: »Ich meine ja nur, dass mir die Schöpfung DES EINEN gar nicht so unvollkommen erscheint!«

»Pah! Letztens hast du das noch anders gesehen!«

»Da hast du mir ein Meer voller Gold versprochen. Aber du scheinst es selbst für deine Experimente zu brauchen!«

»Ja, ich übe mich im Zauberschmiedehandwerk. Aber du lenkst ab. Das hat ja wohl kaum etwas mit meinen Kreaturen zu tun.«

»Stimmt, aber es ärgert mich, wenn du deine Versprechungen nicht einhältst und mir dennoch Vorhaltungen machst, dass ich dir den Odem nicht liefere.«

»Ja, da hast ja recht. Es tut mir leid«, musste Bael widerwillig einräumen. »Aber dass du jetzt die Schöpfung DES EINEN verteidigst, verstehe ich nicht.«

»Sie ist durchdacht. Pass auf: Die Elben leben lange. Sie können viele Erfahrungen machen, um ihre Seele zu verdichten. Die Zwerge halten das meiste aus und die Menschen sind so zahlreich, dass sie in ihrem kurzen Dasein kleine Verdichtungspunkte haben. Was ist daran verkehrt?«, fragte der Drache.

Bael hielt es nicht mehr auf seinem Sitz, rasch erhob er sich und schritt vor dem Riesentier auf und ab. »Ich schaffe Wesen, die nicht krank werden, nicht altern, nicht umgebracht werden können, und so ewig leben. Besser als Menschen, Elben, Zwerge oder Gnome zusammen. So wird die Seele sich bestmöglich verdichten, denn sie sollen dauernd leiden, ohne zu zerbrechen.« Er schaute triumphierend auf seinen Waffenbruder im Kampf gegen die Ignoranz DES EINEN.

Der Drache ließ kleine Wolken aus seinen Nüstern steigen und sagte: »Zugegeben, das hört sich nicht schlecht an!«

»Nicht schlecht!«, brauste Bael auf. »Dann müssen sie sich nicht vermehren. Und diese närrische Liebe, die die Wesen schwachmacht. Was hat sich DAS EINE dabei gedacht?«

Der Drache zischte und schlug mit dem Schwanz. »Wer weiß das schon?«

»Ach. Denk doch mal nach. Es gäbe keine Kriege und Morde aus Eifersucht, keinen Verrat aus Liebe, aus Begehren, aus Leidenschaft. Das alles sollte es nicht geben. Loyalität und Weisheit, das Genießen der Schönheit, was besser funktionierte, wenn man auch Frost und Regen kennen würde.«

»Na ja, das Wetter hast du schon verbessert!«, gab Schwarzschwinge zu.

»Mit Hilfe der Wettergeister Mirwen und Linionas«, räumte Bael ein.

»Die Albozen des Wettergottes Nounaers?«

»Der Gemahl meiner Schwester! Ich habe sie zu Winterwettern verdorben«, erklärte er mit unverhohlenem Stolz.

»Wie hast du sie ihm denn abspenstig gemacht?«

Wollte der Drache ihn ablenken? Doch die Geschichte war einfach zu schön, um sie nicht zu erzählen. »Ich habe ihnen von der Schönheit einer Schneeflocke vorgeschwärmt. Diesem funkelnden Kristall verfielen sie bald und halfen mir, das paradiesische, immerwährende Frühlingswetter in heiße Sommer und kalte Winter zu wandeln. Die Wesen sollten nicht so verwöhnt und verweichlicht werden. Als sie bei den ersten Katastrophen erkannten, was sie getan hatten, flohen sie in den Osten.«

»Verräter!«, murrte der Drache. »Und du hast sie nicht bestraft?«

»Keine Gelegenheit. Viator hat ihnen großmütig verziehen und sie mit Spionageaufgaben betraut. Stell dir vor, mich sollten sie bewachen. Den Feuergott! Und die Kleingeister glaubten, ich wüsste davon nichts.«

»Unglaublich!«

»Sie haben sich im Ewigen Eis eine Hütte gebaut. Dort sollen sie vegetieren!«

»Deine Werke wie Regen, Eis, Schnee und Frost sind DEM EINEN ebenbürtig!«, schmeichelte die alte Echse.

»Nicht wahr? Aber ich ersinne noch sensationellere Katastrophen wie Dürren, Lawinen und Gefahren.«

»DAS EINE wird es nicht gut finden, wenn du IHM ständig ins Handwerk pfuschst!« Bael trat hart mit dem Fuß auf, sodass der Boden bebte. »Nicht schon wieder ein Erdbeben! Ich bekomme davon immer Sodbrennen!«, schimpfte der Drache.

»Höre auf mit dem Gejammer.«

Der Drache sprach freundlicher: »Die Kreaturen, die du bisher geschaffen hast, die Marrovals und die Orks weisen diese Eigenschaften doch auf. Du kannst stolz auf dein Werk sein.«

»Mag sein.« Bael machte eine wegwerfende Geste. »Aber da ich die Seelengeschöpfe DES EINEN nur verändert und verdorben habe, tragen sie nichts zur Verdichtung des Seelenstoffes bei. Ich brauche den Odem, um Kreaturen zu schaffen, die Seele besitzen, die verdichtet werden kann und wir so schneller zum Punkt kommen. Ich muss DAS EINE überzeugen, dass es unser aller Vorteil wäre. Dann würde DAS EINE seine verdichteten Seelen und seine Gedankengötter zusammenfügen und sie würden vollkommen und eins sein. Würdest du dir das nicht wünschen?«

Der Drache sah ihn an und bleckte süffisant seine Reißzähne. »Mit dir und Lukia vereint? Soll das das vollkommene Glück sein?«

Bael antwortete nicht darauf, sondern beobachtete seinen ehemaligen Diener. Er war gelassen und schien mit sich im Reinen, außerdem spürte er eine große Macht um die Echse. Die Aura wirkte gewachsen. Ob der Drache seine alte Macht zurückerhalten hatte? Welches Spiel spielte er? Hatte er ihn an DAS EINE verraten? Und war dieser Machtgewinn seine Belohnung?

»Wie willst du das bewerkstelligen?«, fragte Schwarzschwinge in Baels Gedanken hinein.

»DAS EINE zu überzeugen?« Bael seufzte und schloss die Augen. »Vielleicht ist das gar nicht nötig, alter Freund. Du könntest doch den Odem besorgen?« Er riss die Augen auf, um zu sehen, wie der Drache reagierte.

»Ich? Wie soll ich das anstellen?« Schwarzschwinge schien wahrlich überrascht. Oder heuchelte er?

»Du hast die Macht dazu, du bist Fürst Schwarz von Schwinge. Der Herr über die Magie und das Feuer.«

»Dieser Rang gebührt dir als Feuergott. Das würde ich mir niemals anmaßen!«

Da hatte die alte Echse recht und dennoch war Bael sich sicher, dass der Drache eine Quelle der Magie gefunden hatte, die ihm eine größere Macht schenkte. Die aber ihm als Feuergott zustand. Wenn sie ihm gehörte, müsste er DAS EINE gar nicht überzeugen. Er könnte ES zwingen, ihm den Odem auszuhändigen.

»Also?«, fragte Bael fordernd.

»Ich besitze keine besondere Macht, sonst würde ich dir das sagen!«

Der Feuergott nickte, glaubte aber kein Wort. »Was machen wir jetzt? Mich verlangt es nach dem Odem!«

»Wo soll DAS EINE ihn versteckt haben? Das Nihelem ist durchforstet, alle Dimensionen haben wir abgesucht. Es bleibt nur der Palast und dort kommen wir nicht hin!«

»Und da verwahrt ES den Odem. Du könntest recht haben. Wieso finden wir den Weg nicht?«

»Weil der Weltenwanderer die Fäden verstrickt und anders verknotet hat. Die Pfade sind wie ein Labyrinth, Tore sind verschlossen oder im geheimen Nebel unsichtbar gemacht.«

»Du könntest ihn dazu bringen, dich zum Palast zu führen!«

Der Drache schnaubte. »Das habe ich längst versucht. Aber er scheint den Weg selbst vergessen zu haben. Er kann sich noch nicht einmal erinnern, ihn angelegt zu haben.«

»Das gibt er doch nur vor!«, schrie Bael wütend.

»Das glaube ich nicht!«, gab sich Schwarzschwinge überzeugt.

»Was schlägst du also vor?«

»Was ist, wenn du Lukia entführst und sie ihrem Gemahl nur zurückgibst, wenn er den Weg herausfindet!«, schlug der Drache vor.

»Hm, die Götterkönigin. Sie ist meine Schwester, alle wüssten sofort, dass ich dahinterstecke. Aber wenn ein Drache sie entführt …«

»Wüssten sie, dass ich – dein Waffenbruder – es gewesen bin. Was soll dadurch gewonnen sein?«

»Du meinst, die Götter wissen von unserer Freundschaft?«

Der Drache schickte kleine Rauchwölkchen durch seine Nüstern und knurrte ein düsteres »Ja, sicher!«.

»Aber es gibt inzwischen viele Drachen. Du müsstest nur Spuren hinterlassen, die auf die Raubdrachen hindeuten.«

Schwarzschwinge schlug missmutig mit seinem langen, gezackten Schwanz. »Raubdrachen aus dem Süden haben sich auf menschliche Jungfrauen spezialisiert. Warum sollten sie nun eine Götterkönigin rauben?«

Warum machte es der Drache nur so kompliziert? Bael schnauzte ihn ungehalten an: »Was weiß ich? Denk doch mal selbst nach. Es ist mir gleich. Besorg mir den Odem. Das ist alles, was ich will.«

»Phhh.« Eine kleine Stichflamme entkam seinem Maul.

»Also?«, fragte Bael unbeeindruckt nach.

»Wenn du mich so nett bittest«, grummelte die alte Echse.

»Gut, dann werde ich mich nach Dolmork zurückziehen. Melde dich, wenn du Resultate hast!«

»Mach ich.« Dann rief er: »Siebzehn!« Als die Marroval erschien, befahl er: »Bring unseren Gast aus den Hallen des Fürsten Schwarz von Schwinge.«

»Ja, natürlich mein Gebieter«, sagte sie und verbeugte sich bodentief. Ohne sich aufzurichten, wandte sie sich an Bael: »Eure Göttlichkeit, wenn Ihr mir folgen wollt!«

 

Bael lief in seiner Elbengestalt hinter der Marroval her. Sie hatte einen verdammt hübschen Hintern und er einen Gedanken. Rasch schloss er auf, sodass sie seinen Atem im Nacken spüren musste. Er vernahm, wie ihr Blut schneller in den Adern rauschte. Trotz der Furcht war ihre Gier erwacht.

Mit seiner verführerischen Stimme lockte er: »Siebzehn. Willst du mir nicht deine Kammer zeigen?«

Augenblicklich blieb sie stehen. Ihr Herz schlug so heftig, dass er es hören konnte. Sie keuchte, als er sie von hinten umfing und ihr ins Ohr blies. Diese Elbengestalt war gut gewählt, denn in ihrer Erregung und dem Verlangen nach Blut und Seele vergaß sie völlig, dass er der Feuergott war, der sie zu dem gemacht hatte, was sie war: ein seelensaufendes Ungeheuer.

Sie nickte und hauchte: »Hier entlang!«

Als sie in die Kammer stolperte, ging alles sehr schnell. Gegen ein kurzes Vergnügen hatte Bael nichts, allerdings würde er sie nicht töten, da Schwarzschwinge keinen Verdacht schöpfen durfte. In dem Moment, als sie sich zur Ekstase ritt und ihn dabei beißen wollte, verwandelte er sich in Silbernebel. Statt Blut zu saufen, atmete sie den Dunst ein und ließ augenblicklich betäubt von ihm ab. Wenn er den Zauber nicht verstärkte, würde sie nur einige Stunden außer Gefecht sein. Das sollte erst einmal reichen. Er betrachtete sie genau, prägte sich jede Feinheit ihres Gesichtes ein. Dann kleidete er sich in das Fleisch der Marroval Siebzehn.

 

Nachdem er die Kammer sorgsam verschlossen hatte, eilte er durch die Gänge zurück in den Prunksaal.

»Siebzehn, das hat lange gedauert!«, wütete Schwarzschwinge ungehalten.

»Verzeiht mein Gebieter. Die Göttlichkeit verlangte nach Vergnügen!«

Der Drache grunzte. »Du bist mein. Bael hat dich mir geschenkt.«

Spiel dich mal nicht so auf. Ich habe sie geschaffen. Aber Bael blieb ganz ruhig stehen, neigte demütig das Marrovalhaupt, während der Drache sich schwerfällig von seinem Lager erhob.

»Komm!«, befahl Schwarzschwinge.

Wo wollte die Echse hin? Für eine Dienerin war es unschicklich, nachzufragen. Und diese Marroval wäre zu eingeschüchtert, als dass sie das wagte. Bael musste aufpassen. Mit Mühe beherrschte er sich. Diese Rolle war für einen Gott äußerst unpassend, doch er wollte unbedingt das Geheimnis von Schwarzschwinges Macht ergründen, also lief er dem Drachen hinterher. Diese Hühnerfüße mit den Dornen an den Fersen ließen sich gut gebrauchen, obwohl sie ziemlich unästhetisch waren. Seine Wesen sollten jedoch nicht schön, sondern hart sein. Das war Siebzehn jedoch nicht. Bei ihr schwang allzu viel Seele mit. Das gleiche Problem wie bei der ersten Marroval, die er seinem Albozen Morren weggenommen hatte. Sie war in dem Feuer seiner Leidenschaft nahezu verbrannt. Bei dem Gedanken an diese einst anmutige, zerbrechliche Lichtelbin musste Bael ein böses Lächeln unterdrücken, während sie durch Hallen, Gänge und Höhlen gingen. Als er sie zu einer Vampirfrau verändert hatte, war er sein Interesse an ihr erloschen. Unterdessen hatte sich der Verräter Morren um seine einstige Geliebte, die nur noch zischte und nach Seelen und Blut trachtete, gekümmert. Morren war schuld, dass Bael die Gelegenheit verpasst hatte, seiner Schwester Lukia beim Beleben der Lichtelben den Odem abspenstig zu machen. Sie hatte welchen von DEM EINEN bekommen und er nicht.

Nach kurzer Zeit gebar diese erste Marroval seinen Sohn, den sie Amruil genannt hatte. Blutrotes Haar hatte er gehabt und stur war der Kleine gewesen. Aber dieser junge Feuerelb konnte instinktiv Zauber weben und liebte Edelsteine, wie sein Vater es tat.

Der Drache blieb plötzlich stehen und Bael wäre als Marroval fast in das massige Tier gelaufen. »Pass doch auf!«, zischte Schwarzschwinge. Sie waren weit in den Vulkanberg vorgedrungen. Nun standen sie vor einer Basaltwand, die lediglich durch Schattenschimmer verstärkt war. Der Drache atmete tief ein und seine drei Mägen leuchteten.

Er will Feuer speien, ahnte Bael.

Und tatsächlich ließ Schwarzschwinge heiße Flammen über die Wand tanzen, dabei sprach er düstere Worte.

Der Feuergott hatte geglaubt, jede Art von Magie und alle Sprüche und Rituale zu kennen, doch dieser Zauber war ihm unbekannt. Woher wusste die alte Echse das? Es musste Wissen aus einer Zeit vor den Göttern sein, einer Zeit, als dieser Urdrache noch mit dem Wal Ape in der Ursuppe geschwommen war.

Die Flammen umzüngelten die Lettern und Runen der Worte und brannten sie in den Felsen. Sie bildeten ein Halbrund und offenbarten ein Portal, das sich öffnete. Schwarzschwinge wandte sich zu der vermeintlichen Marroval und befahl: »Du bleibst hier und wartest auf mich!«

Bael verbeugte sich und sagte demütig mit zitternder Stimme: »Wie mein Gebieter befiehlt!« Bei sich dachte er: verdammt. Wie kann ich ihm folgen?

Er zog sich etwas zurück, während der Drache die Öffnung passierte. In dem Moment, als das Portal zu Stein wurde, wandelte er sich in eine Windgestalt und sauste durch den schmalen Spalt, bevor sich der Durchschlupf endgültig schloss. Das hatte er den Winterwettern Mirwen und Linionas abgeschaut.

Schwarzschwinge schien nicht zu bemerken, dass Bael ihm folgte. Der Drache zwängte sich durch die Höhlengänge, an deren Wänden Magma perlte, das die Umgebung in ein feurig rotes Licht tauchte. Noch weitere drei Portale, die magisch gesichert und offenbar nur mit Drachenfeuer zu öffnen waren, durchschritten sie, bis sie endlich an einen Basaltvorsprung kamen. Er ragte über einen Magmasee, der heftig brodelte. Bael war sich sicher, dass der Drache ihn, ohne es zu bemerken, genau da hingeführt hatte, wohin er wollte. Zum Ursprung der Macht!

Schwarzschwinge stellte sich auf seine Hinterläufe und stützte seinen massigen Körper zusätzlich mit dem Schwanz ab. Dann warf er seinen Echsenkopf in den Nacken und fauchte, dabei blies er drei Rauchwolken an die Decke.

Fasziniert beobachtete Bael, wie die Rauchwolken sich um etwas legten und es aus dem Nichts schälten. Es hatte bestimmt einen Durchmesser von einem Menschenschritt. Düster und dennoch glitzernd war es. Als es vor Schwarzschwinges Nase schwebte, erkannte Bael die Struktur eines riesigen Edelsteins. Er erinnerte ihn an einen schwarz gefärbten Gletscher.

Der Drache nahm ihn achtsam in seine Klauen und blies kleine Flammen über die gläserne Oberfläche. Vorsichtig löste er eine Pfote und stieß eine Kralle ins heiße Material. Mit einem Kreischen, als wäre dieser Gletschersplitter lebendig und vom Schmerz erfüllt, teilte er sich in zwei Hälften. Bael stockte der Atem, als Schwarzschwinge sie sorgsam auf einen aus dem Basalt geschlagenen Tisch legte. In dem geöffneten Splitter ruhte ein Buch mit einer überirdischen Aura. Bael glaubte, DAS EINE selbst hätte es geschrieben. Es war gesichert mit sieben Riegeln.

Der Drache strich zärtlich über die Siegel und die oberen drei sprangen auf. Schwarzschwinge seufzte und flüsterte: »Mein Liebes, willst du mir nicht auch deine anderen Geheimnisse schenken? Offenbare dich. Dein Wissen ist bei mir gut aufgehoben!«

Doch die Riegel blieben verschlossen.

»Schade. Liebes. Ich will dich nicht drängen. Vielleicht nächstes Mal. Es ist nicht schlimm. Ich habe noch nicht alle Seiten der drei Siegelabschnitte gelesen«, säuselte er auf eine unerträgliche Art.

Was sollte das Liebesgeflüster zu einem Folianten? Voller Neid beobachtete Bael, wie der Drache mit spitzen Krallen das Buch im dritten Abschnitt aufschlug und zu lesen begann. Leise und ohne einen verräterischen Luftzug zu erzeugen, flatterte er in seiner Windgestalt so nah heran, dass er das Buch fast berühren konnte. Bael erkannte Zahlen, Buchstaben, Symbole. Der Verfasser beherrschte die tiefsten Geheimnisse der Magie.

»Ah!«, machte Schwarzschwinge. »Jetzt verstehe ich es noch besser. Nicht nur die Vorzeichen der Magie muss ich ändern, um sie zu verstärken. Sie muss im Ganzen verquert werden. Was hier aber wohl mit Schattenmagie gemeint ist?« Erneut vertiefte sich der Drache in seine Lektüre.

Bael jubelte. Er war am Ziel seiner Träume. Das Buch brauchte er, und zwar auf Dolmork. Wenn er sich damit längere Zeit beschäftigte, würde er die Zeichen bestimmt richtig deuten und die Zahlen verstehen. Doch was passiert nun? Geschockt beobachtete er, wie die Schriften verblassten und bald völlig verschwanden. Nur der Abschnitt mit der Schattenmagie blieb bestehen.

Schwarzschwinge fluchte: »Nicht schon wieder. Immer, wenn ich etwas begreife, verschwindet es.«

Bael erschrak. Die Echse hatte offensichtlich Textstellen aus dem Buch herausgelesen. Unwiederbringlich verloren.

Der Drache schlug den Deckel zu und grunzte dabei unglücklich. Rasch erlangte er wohl die Beherrschung zurück, denn er strich über den Buchdeckel und säuselte: »Ruh dich aus, mein Liebes.« Dann nahm er aus der Tiefe des Splitters einige beschriftete Pergamentseiten. Hastig blätterte er sie durch, bis er ein leeres Blatt gefunden hatte. Aus einer Nische holte er ein Tintenfass, öffnete es und tunkte seine Kralle hinein. Ohne abzusetzen, schrieb er die Seiten voll.

Als Bael es las, wunderte er sich, dass der Drache sich Schriftsystemen der Elbenvölker bediente. Er beschrieb kurz, wie er die Magie mit anderen Vorzeichen versehen musste und sie auf diese Weise machtvoll und stark würde.

Der Feuergott begriff, dass die Echse die Erkenntnisse, die vor seinen Augen aus dem Buch verschwunden waren, notierte. Sehr weise, der alte Halunke.

Als Schwarzschwinge fertig war, leckte er seine Kralle sauber und trocknete sie in seinem heißen Atem. Danach legte er die Schriften und das Buch sorgsam in die Splitterhälften. »Wenn Bael wüsste, dass das der wahre Schatz ist … Viel wertvoller als alles Gold und Geschmeide auf sämtlichen Welten.« Seine echsigen Lippen verzogen sich zu einem hämischen Grinsen, aus seinen Nasenlöchern stob Rauch.

Bael weiß es. Der Feuergott war voller Schadenfreude. Ohne zu wissen, wie er aus dem Berg herauskommen sollte, fasste er einen waghalsigen Entschluss. Als der Drache die beiden Hälften wieder zu einem Splitter zusammenfügte, flog Bael in seiner Windgestalt zu dem Buch und den Schriften ins Innere. Er hielt den Atem an, als er gefangen im Splitter an die Decke schwebte.

 

***

 

Am nächsten Tag ging Schwarzschwinge wie jeden Abend in den Bauch seines Vulkanpalastes. Siebzehn begleitete ihn wie stets bis zum ersten Portal. Routiniert lief er voller Vorfreude durch die Gänge, öffnete die anderen Portale und stand auf dem Basaltvorsprung. Sein Herz stolperte, dabei verschluckte er sich an seinem eigenen Feuer. Entsetzt wich er zurück, bis sein gezackter Schwanz an die Wand gepresst wurde. Auf den Felsen lagen verstreut schwarze gläserne Scherben. Unverkennbar war hier der Große Splitter, den er in einer Falte der Dimensionen entdeckt hatte, in tausend Stücke zersprungen. Seine Schriften weg, das Buch fort. Wie war das möglich?

Noch saß der Schock zu tief. Er konnte nur verharren und auf die Scherben starren. Sein Herz zog sich zusammen. Plötzlich erinnerte er sich an einen Luftzug, den er gestern immer wieder bemerkt hatte. Und auch Siebzehn war anders als sonst gewesen.

Jetzt war ihm alles klar: Bael, der Teufel! Nur er kannte den Palast besser als Schwarzschwinge selbst und besaß ausreichend Zauberkraft und das Wissen, um den Splitter zu zerstören und das Buch zu stehlen. Wahrscheinlich war er durch den Lavasee getaucht, um mit seiner Beute aus dem Berg zu fliehen. Die Sehnsucht nach dem Buch quetschte Schwarzschwinges Herz. Das war sein Schatz. Er spürte, wie seine Kehle anfing zu glühen. Und dann stieß er ein infernalisches Feuer aus und brüllte seinen verzweifelten Zorn heraus. Das würde Bael büßen. Rache!

 

 

Drachensplitter – coming soon

Drachensplitter

ist der 4. Band der High-Fantasy-Serie Die Zauberschmiedin

Wenn jetzt nichts mehr schief geht, sollte die Geschichte um die Feuerelbin Rayka und ihre Gefährten im Laufe des Oktobers veröffentlicht werden. Auch wenn das Cover diesmal anders ist als bei den 3 vorherigen Bänden, knüpft der Roman an die Handlung von Aschengier an und erzählt vom Schicksal Eisenlands und seiner Bewohner. Ein neuer Protagonist hat sich dabei eingeschlichen. Wie der Titel schon vermuten lässt: Ein Drache!

Drachensplitter – der 4. Teil von DIE ZAUBERSCHMIEDIN

Das erwartet euch:

Das Ritual auf dem Götterberg, bei dem Feuer, Licht und Schatten mit magischen Steinen ein Hexagramm erschaffen, soll Eisenland vor dem Untergang bewahren. Rayka jedoch verdirbt es, indem sie kurzentschlossen ihren geliebten Targoin aus dem Steingefängnis rettet und dabei den Rubin der wahren Liebe opfert. Das Hexagramm bricht zusammen. Zunächst scheinen Sonne und Mond zu heilen, doch schon nach kurzer Zeit offenbart sich die wahre Katastrophe.

Viator kennt einen gefährlichen Ausweg, um das Ende abzuwenden: Rayka soll ins Nihelem aufbrechen, um den gefangenen Feuergott Bael zu überzeugen, neue Götterjuwelen für den Himmelskörper zu schmieden.

 

 

Der Sammelband – 0,99 Euro

Buchempfehlung: „Die Zauberschmiedin“, eine Fantasytrilogie im Sammelband von Ruth Mühlau

Fast tausend Seiten Lesespaß mit Rayka, der Feuerelbin, die mit den Steinen flüstert, auf Drachenschwingen fliegt und Dunkle Herrscher in Brand setzt! Als letzte Zauberschmiedin ist sie auserwählt, die Götterjuwelen zu finden, um Eisenland vor den bösen Mächten zu bewahren … (ein Gastbeitrag von Ruth Mühlau)

Ruth Mühlau

Ruth Mühlau

Lassen Sie sich in die Welt der Elben, Drachen und Warge entführen! Meine Elben, ob Feuer-, Licht oder Waldelben sind fühlende Wesen mit Herz. Getrieben werden sie von ihren Sehnsüchten. Meine Leser lieben Rayka mit ihrer ungestümen Art, die niemals aufgibt, seien die Kämpfe, äußere und innere, noch so hart. Und sie muss viele Abenteuer bestehen!
Mit der Zeit lernt sie ihre Zauberkräfte einzusetzen. Neben Anerkennung und Freundschaft wünscht sie sich nur eins: den Schmuckhändler Targoin. Als er sich endlich zu ihr bekennt, wird Rayka Opfer der edlen Syra, die sie aus Eifersucht ermorden will. In Notwehr tötet Rayka die Rivalin mit einem Feuerzauber. Seitdem trennen Hass, Rachegefühle und grausamer Zauber die beiden Liebenden.
Ich habe ein Herz für markante Helden. Und die wilde Rayka macht mir besondere Freude. Obwohl sie in ihrem Eigensinn schon mal mein Konzept torpediert … die vollkommene Lichtelbin Lavilija ist angepasster, doch von Band zu Band entwickelt auch sie eine verdorbene Seite.
Auf die häufig gestellte Frage, ob Romane nicht oft etwas Biografisches haben, kann ich nur erleichtert sagen: In meinem Fall nicht. Meine Warghelden haben aber durchaus reale Vorbilder. Mein Hund Merlin stand Pate für den Warggeist Merlynn. Die Drachen verhalten sich schon mal wie meine Kater …

Aktion: nur 99 Cent statt 8,99 €

Die Zauberschmiedin

Fantasytrilogie im Sammelband von Ruth Mühlau

Wird eine junge Feuerelbin die Welt vor der dunklen Macht retten?

Rayka wächst als Findelkind bei den Waldelben auf; sie wird wegen ihrer frechen Art, ihrer roten Haare und missglückten Zaubereien verdächtigt, eine Hexe zu sein und im Dorf gemieden. Erst als sie die Schmiede ihres Ziehvaters übernimmt, entdeckt Rayka ihre wahre Gabe: sie kann das Wesen der Edelsteine verstehen. Doch auf die Zauberschmiedin warten große Aufgaben! Kann Rayka die Götterjuwelen finden, bevor der Dunkle Herrscher mit ihrer Hilfe die absolute Macht erringt? Alle drei Einzelbände „Feuerzorn“, „Schattenrausch“ und „Aschengier“ in einem Sammelband. „Eine spannende Geschichte die den Leser in eine fantasievolle Welt der Elben, Götter, Wargen und Orks mitreißt …“ (Leserin) (über 80 5-Stern Bewertungen für die Einzelbände) (990 Seiten, komplette Trilogie plus Bonusgeschichten) – hier günstig für Kindle kaufen oder gratis leihen!

Raykas Abenteuer gehen weiter: Der vierte Band „Drachensplitter“ steht kurz vor der Veröffentlichung. Ein fünfter und abschließender Teil ist in Planung. In „Amruielle – die siebte Söhnin der Feuerelben“ kann man die Vorgeschichte der Zauberschmiedin-Reihe lesen.
Mehr über die Autorin und ihre Bücher gibt es auf der Seite Die Zauberschmiedin, bei Ruth Mühlau auf Facebook oder folgen Sie ihr auf Instagram!

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